Die 7 Deutschrapper vom Balkan, Pt. 2

Nach osTraum’s 7 Deutschrappern vom Balkan Part 1, kommt jetzt Part 2. Was gibt’s dazu noch zu sagen? Die Hintergrundgeschichte – warum Menschen vom Balkan nach Deutschland und Österreich kamen – wurde bereits im ersten Teil erklärt. Nun gehen wir direkt zur Sache über.

7. Fatal (Deutschland/Bosnien und Herzegowina)
Geboren wurde der Musiker 1990 in einer bosnisch-deutschen Familie im Ruhrgebiet, ist aber schon lange ein Wahl-Berliner. Um das Jahr 2010 bekam Tonio Dalfolgo einen Vertrag beim Berliner Label Hell Raisa Records, das vom Rapper Kaisa bzw. Kaisaschnitt betrieben wurde. Lediglich erschien in der Firma nichts von Fatal. Erst als Fatal zusammen mit den Rappern Kontra K und Skinny Al das Label distri gründete, wurden auch Solo-Platten von Fatal herausgegeben – 2011 und 2014. 2015-2016 hat sich Fatal in Big Toe umbenannt und hatte mehrere Kooperationen mit anderen Rappern, unter anderem mit dem ehemaligen Mitglied von 187-Straßenbande AchtVier. Momentan arbeitet Fatal/Big Toe mit dem Berliner Untergrund-Label Hutmacher Entertainment zusammen.


6. Play69
(Deutschland/Serbien/Bosnien und Herzegowina)

Bosnische Mutter, serbischer Vater, bosnischer Pass. Was ist er nun? Serbe? Bosnier? Die Herkunft ist eine Nebensache. Geboren wurde Bojan Novicic Mitte der 1990-er Jahre in Wuppertal. Nach einem kurzen Umzug nach Bosnien, ging die Familie zurück nach Deutschland, wo Play69 in Dortmund aufwuchs. Sein Werdegang außerhalb des Untergrunds begann bei Helal Money Entertainment vom deutsch-marokkanischen Rapper Farid Bang. Seit Neuestem steht Play bei Supremos unter Vertrag – einem Label des mysteriösen Rappers 18 Karat, der selbst über seine eigene Plattenfirma, aber auch über die spätere Neugründung von Farid Bang – Banger Musik – vertrieben wird. Für die richtige Vermarktung arbeitet Banger Musik mit dem Major Label Warner Music zusammen.

5. Paradox / Deno / Paradox808 (Deutschland/Bosnien und Herzegowina)
Deno Idrizović kommt aus München und hat gleich drei Künstlernamen – Paradox, Deno und Paradox808, sollte aber nicht mit den Rappern Deno141 ODER Deno (aus Hamm) ODER dem Londoner R&B-Sänger/Instagrammer Deno ODER dem US-Catholic Hip-Hopper Paradox verwechselt werden. Deno selbst beschreibt sich als Rapper, Sänger, Songwriter, Beat- & Video-Produzent. Sein Self-Made-Attitude kann durchaus gelobt werden und verdient deshalb den 5. Platz. Keine kostenlosen oder eingekauften Beats, alle Texte aus eigener Feder und sogar die meisten seiner Videos produziert er selbst oder mit Hilfe von Freunden. Klingt true, ist es aber nicht. Deno kann wohl nichts dafür, aber seine Umgebung. München und auch allgemein Bayern sind eben keine Adressen für Straßen- oder Gangster-Rap. Genau diesen Beigeschmack haben seine Video- und Musikproduktionen… gestellt und unnatürlich, manche auch zu bayerisch für den Deutschrap. Seine Raptechnik ist zwar in Ordnung, doch leider nichts besonderes.

4. Jasko (Deutschland/Serbien/Bosnien und Herzegowina)
Geboren 1989 in Serbien zur Zeit Jugoslawiens. Vier Jahre später musste seine Familie als bosnische Minderheit vom Krieg fliehen.  Jasmin Nuradinović – so im Pass – steht bei Banger Musik unter Vertrag. Seine Musik nennt er selbst Asozial Rap. Tatsächlich ist es klassischer Gangsta-/Straßen-Rap des 21. Jahrhunderts – schwere Kindheit, soziale Ausgrenzung aufgrund der Herkunft, Leben in Migrant*innen-Gegenden Duisburgs. Sich selbst nennt er Betrugo oder Jugo Boss. Seine Stimmer hat Charakter und seine Beats sind fett. Er hat durchaus einige Texte mit tieferem Sinn, wie z.B. das Featuring mit Azad. Die meisten Texte gehen lediglich in die genrebedingte Macho-Richtung. Wenn er aber nicht rappt, sondern spricht, scheint er ein ganzer cooler Mensch ohne Größenwahn zu sein.

3. Jugo Ürdens (Österreich/Mazedonien)
„Schönster Mann in Wien“, „Schönster Rapper Österreichs“, „Model Rapper“ und „Österreichs neuer Hip-Hop Export“ – das sind nur einzelne Titel, die dem Rapper von der Presse verliehen wurden. Objektiv gesehen könnte der junge Mann tatsächlich als Model arbeiten. Er ist aber Rapper, der Wirtschaft studiert hat und vom KaDeWe-Online-Mag interviewt wird, weil er ein Trendsetter ist. Seine Musik kann pendelt irgendwo zwischen Cloud Rap, Hip Hop, Trap und ein bisschen Straßenrap. Im Gegensatz zu vielen Rappern nimmt er sich nicht sehr ernst, spielt gern mit androgynen Erscheinungsbildern seiner selbst und kann als ein moderner und toleranter Mensch angesehen werden. Seine Videos und Songs sind professionell produziert und sind abwechslungsreich, entsprechen aber insgesamt einem Zielpublikum abseits des Banger Musik-Klientels. Er richtet sich eindeutig an Hipster und Pseudo-Hipster in Hoodies von Gosha Rubchinsky. Er richtet sich auch eindeutig an ein Publikum, für die Instagram das Hauptmedium unter den sozialen Apps ist, denn seine Videos sind durchdacht und er setzt sich perfekt in Szene.

2. RIN (Deutschland/Kroatien/Bosnien und Herzegowina)
Renato Simunovic kam in der ersten Hälfte der 1990-er Jahre bei Stuttgart zur Welt. 2015 veröffentlichte er zusammen mit dem Rapper Caz den Track „Ljubav/Beichtstuhl“ (Ljubav – Bosnisch für Liebe). Es folgten Gespräche und Kollaborationen mit Xatars Label Alles oder Nix, der Berliner Plattenfirma Live from Earth und letztendlich mit Division Recordings. Noch vor Division wurde sein Track Bianco vom Juice Magazine zur Single des Jahres 2016 gekürt. Mit Division kam der endgültige Durchbruch und er wurde zum Bester Newcomer National bei Hiphop.de – eine Auszeichnung, die bereits einige Rapper zu Stars gemacht hat und sie nun auch außerhalb der Rap-Szene bekannt sind, unter anderem Haftbefehl und K.I.Z.

1. Figub Brazlevič (Deutschland/Bosnien und Herzegowina)
Wer diesen Namen kennt, wird sagen – Der ist doch kein Rapper! – und wird damit Recht haben. Nichtsdestotrotz hat der geborene Tübinger einen großen Einfluss auf die Deutschrap-Szene und auch wenn er nicht direkt ein Rapper ist, ist er trotzdem ein Musiker. Der Sohn eines bosnischen Vaters und einer deutschen Mutter ist heute einer der gefragtesten Beatmaker und Hip Hop Produzenten in Deutschland. Er produziert unter anderem für Olexesh, den Plusmacher und Kollegah. Seine Beats sind an Old School Hip Hop, House und Soul angelehnt und bringen oft Klangzitate von längst vergessenen, aber erlesenen Schallplatten.


osTraum auf Facebook

One Comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s