Memento Park: Budapest, Pt. 3

Die sozialistische Periode wurde in Budapest sehr konsequent behandelt. Wie bei einem Arztbesuch wurden die meisten Symptome dieser Zeit entfernt, damit sie das Stadtbild und das Auge seiner Bevölkerung nicht länger stören. Vor allem Skulpturen waren solche Symptome. Doch nicht alle wurden tatsächlich entfernt, sondern verlagert. Am Rand von Budapest wurde 1993 der Memento Park alias Szobopark (de.: Skulpturenpark) errichtet. Auf diesem Gelände versammelte der ungarische Architekt Ákos Eleőd Skulpturen des vergangenen Systems. Einige von ihnen haben eine große historische Bedeutung für die Unabhängigkeit Ungarns, z.B. das Denkmal „Stalins Stiefel“. Es sind Stiefel, die vom ungarischen Stalin-Denkmal übrig blieben. 1948 als Dank an den „Befreier“ errichtet, wurde es bereits 1956 – drei Jahre nach dem Tod Stalins – zerstört.

Auf einem Betonpodest und einem Quader aus roten Ziegelsteinen steht das Schuhwerk in direkter Nachbarschaft von zwei nachgestellten NKVD-Baracken. Die eine wird als Ausstellungsraum genutzt, die andere als Abstellraum. Auf der Erde neben dem ehemaligen Denkmal liegt ein weiterer Diktator – Lenin; gegenüber davon befindet sich der Eingang zu dem Memento-Areal, das von Lenin, Marx & Engels Denkmälern „bewacht“ ist.

Durch den Park werden dann die Besucher*innen von Helden des Regimes „geführt“, wie die Betreiber des Parks selbst auf ihrer Webseite schrieben: Riesengroße Denkmäler der kommunistischen Diktatur, die von den Straßen Budapests entfernt wurden, geben euch die großartige Möglichkeit, sich mit Lenin, Rotarmisten und vielen anderen kommunistischen Helden ablichten zu lassen.

Einige der Denkmäler sind auch eher abstrakt, symbolisieren aber trotzdem die Macht der Arbeitenden. Einige Plastiken sind dabei, objektiv gesehen, fast systemneutral und zeitlos. Der gemeinsame Nenner mit dem Kapitalismus ist dabei der technische Fortschritt, den die Menschen voranbringen und deshalb solche Denkmäler verdient haben könnten. Dieser Fortschritt schließt aber menschliche Verluste nicht aus – ob durch Waffen, Überforderung oder Nostalgie.

Andere Statuen sind weniger ästhetisch und erinnern an Symbole einer Sekte oder den Grabstein eines absolutistischen Herrschers aus einem Science Fiction Film. Tatsächlich ist es auch das Konzept des Parks – es zeigt kein politisches System, es zeigt dessen Untergang. Die Verfremdung entsteht durch die unnatürliche Umgebung – mitten im Nirgendwo. Anderseits sind hier die Strommasten die wirklichen Riesen, unter welchen das System zerfällt. Die Riesen bringen den Strom weiter – sie sind unabhängig von dem vergangenen Regime.

Die Tickets kosten etwa 5 €, für Student*innen etwas billiger. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, im Voraus eine Führung zu buchen – die Dicta Tour of Communism oder sich die sowjetische Staatsbürgerschaft zu kaufen… Nein, lediglich nur den Pass, aber den Namen dürft ihr selbst eintragen und euer Foto einkleben. Digital könnt ihr euch einen ähnlichen Pass aber auch vorher anschauen: hier.


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die offizielle Webseite des Parks


Alle Bilder © osTraum

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