Fundstück des Monats: Kyrillische Zeichen in der Stadt

Magische Zeichen. Sie verzaubern mit ihrer mysteriösen Form. Gleichzeitig vertraut und fremd. Ein R wird zu Я und N zu И. Gosha Rubchinsky heißt der Mensch, der diese Grapheme unters Volk brachte. Die Modekenner werden sich wundern – „Gosha soll Fundstück des Monats sein?!“ Tatsächlich hatte der Modedesigner bereits 2016 seinen Durchbruch. Seine Kollektionen sind weltbekannt. Er selbst gehört zu den 500 bedeutendsten Modeschöpfern der Welt. Auch osTraum kennt ihn schon lange.

Die kyrillischen Buchstaben haben aber ausgerechnet jetzt die Modewelt verlassen. Von T-shirts und Pullis wandern sie nun auf die Straßen. Wände, Fenster und Straßenlaternen sind mit der slawischen Kalligraphie geschmückt. Zu der Popularisierung des belarussisch-bulgarisch-kasachisch-serbisch-russisch-ukrainischen Alphabets hat auch die Fußball-Weltmeisterschaft beigetragen. Alle Marketing-Leute, die es sich nicht zu schade sind, nutzen jetzt die Verweise zu Russland bei jedem Produkt, auch wenn es nichts mit Russland zu tun hat. Innerhalb nur einer Woche sind wir in Berlin auf folgende Fundstücke gestoßen:

Gosha Rubchinsky war wahrscheinlich der erste, mit dem Kirillica weltweit bekannt wurde. Heute machen den Kirillica-Hype viele Brands mit, z.B. Cheap Monday. Manche Kreative gründen überall auf der Welt ihre eigenen Mode-Labels, die auf diesen sonderbaren Buchstaben spezialisiert sind:

MUWKA/MISHKA/МИШКА (est. 2003 in New York City)

 

СПУТНИК1985 (SPUTNIK1985) (est. 2015 in Moskau)

 

БЛОК18 (BLOK18) (est. 2016 in St. Petersburg)

 

СШИТО (SŠITO, de.: GENÄHT) (est. 2016 in Kharkov)

 

Manche kopieren die teuren Labels und verkaufen ähnliche Designs direkt aus China oder basteln sie eben selbst:

aliexpress
Стиль (de.: der Stil)-Pulli bei aliexpress
etsy
SUPREME war gestern…

Womit hängt aber diese Erscheinung zusammen? Dazu gibt es viele Erklärungen. Der Vorgänger des Hypes könnte das Maskottchen der Olympiade in Moskau 1980 sein. Oder die Weltraumstation Sojus. Oder der sagenhafte Prediger Rasputin. Jedenfalls sind es alles Realien, die zur Bekanntheit des kyrillischen Alphabets oder allgemein der russischen Kultur beigetragen haben. Heute finden wir die kulturellen Zitate überall – Kleidung, Bier (auf dem Foto unten rechts: Rasputin-Bier aus Kalifornien, das in Berlin verkauft wird), Geschäfte und Street Art.


Und was hast du neulich Kyrillisches auf der Straße gesehen?


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Русский перевод: osTraum_Cyrillic_June_2018_RUS


Bildquelle (Titelbild): Adidas-Trikot von Gosha Rubchinsky in eigener Kollage

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