Dawai Dawai, Olexij! – Russen-Kitsch wird zu Cash: Teil 1 von 3

Nein, das soll kein Ansporn für einen Olexij (wer ist das überhaupt?) sein. Das ist auch allgemein kein Ansporn, wie wir es aus Parodien auf Russen kennen, wenn mit hartem russischen Akzent so etwas gesagt wie, wie: „Dawaj dawaj, schneller!“ und dabei wird noch das Rrrrrr in schnelleR schön gerollt. Diese drei Wörter drücken eine aufkommende Musikbewegung aus, die vielleicht noch nicht jeder bemerkt hat, sie aber schon bald zum allgegenwärtigen Trend wird. Diese drei Wörter vereinen in sich drei Künstler bzw. Musikformationen – OLEXESH – einen Gangster-Rapper aus der Frankfurt City und zwei Berliner Bands – pop/rap/folk-Sippe Dawai Dawai und die Industrial Schwermetaller Ost+Front, die unter anderem den Alternative-Hit Dawaj Dawaj geschmiedet haben. Alle drei unabhängig voneinander haben den Russenkitsch zu ihrem Markenzeichen gemacht – jeder auf seiner eigenen Art, jeder aus seiner eigenen Perspektive. Darüber möchten wir hier genauer berichten.

Sterne tätowiert auf Knie, damit ihr wisst, ein wahrer Slawe beugt sich nie.“

(aus dem Lied „Russki Kanak“ von Olexesh)

Olexesh, bürgerlich Olexij Kosarev, erklimmt gerade die deutschen Charts und macht mächtig Konkurrenz für „alte“ Vertreter des deutschen Gangsta-Raps, wie Bushido, Sido & Co. Dabei ist der in Kiew geborene Musiker noch an der Grenze zwischen Underground und Kommerz – aus dem Untergrund kommend, sich in die ersten Zeilen der Hitparades durchgekämpft, fährt er im Februar 2017 mit 10 Konzerten auf seine Deutschland Tour. Was ist an ihm das Besondere? Warum schafft er das, wovon viele Untergrundrapper heimlich oder offen träumen? Das Besondere ist, dass er allein mit seinem Wesen ein Thema aufgreift, das bis jetzt in der bundesdeutschen Pop Culture unterrepräsentiert bzw. unerwähnt blieb. Unsere Schwestern und Brüder („Sestras und Bratans“ wie Olexesh sagt) aus Osteuropa gibt es in Deutschland reichlich: aber kennt ihr irgendwelchen deutschen Rapper der postsowjetischen Herkunft? Richtig! Kennt ihr nicht! Olexesh ist seiner Art der Erste, der es geschafft hat. Er versuchte nicht nach dem Prinzip „one man army“ die Musikwelt einzunehmen, sondern schloss Freundschaften. Frankfurter Rapper Celo und Abdi wurden auf den Musiker aufmerksam und nahmen ihn letztes Jahr bei ihrem Label 385ideal unter Vertrag, wobei sie selbst bei Azzlacks vom Rapper Haftbefehl unter Vertrag stehen.

Die Themen seiner Lieder sind zwar gewöhnlich – Stadtrandleben, sozialbenachteiligte Gesellschaftsschichten, Drogen, Kriminalität etc., doch wie er das rüberbringt, ist neu. Er verwendet zwar viele Ausdrücke aus dem Kiez-Deutsch des vorrangig türkisch- bzw. arabischsprachigen Milieus, doch es finden sich auch wiederholt einzelne (auch vulgäre) Wörter und ganze Passagen auf Russisch und das mitten im deutschen Text. Das ist neu und stößt beim jungen Publikum auf positive Resonanzen. Abgesehen von den Texten, hat Olexesh auch viel Bildmaterial aus Osteuropa in seinen zahlreichen Videos. Also nicht die Plattenbausiedlungen am Rande Frankfurts, sondern „the true life of Kiev“, denn er drehte sein Video „Geboren in der Großstadt“ in der ukrainischen Hauptstadt. Nichtsdestotrotz, Gangsta-Rap bleibt Gangsta-Rap und so treffen wir auch hier auf Klischees, wie Sexismus und Machogehabe. Ob das sein muss, ist eine andere Frage. Fest steht aber, wenn es eine Treppe auf den deutschen Musik-Olymp gibt, dann ist Olexesh kurz vor der Spitze… Ob er diese Höhe einnimmt, wird die Zukunft zeigen.


Bildquelle: „Olexesh Logo“ (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bc/Olexeshlogo.svg) by NederlandseFisch (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons (bearbeitet/modified); „Olexesh mit Backup-Rapper…“ (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c5/Olexesh_%284%29.jpg) by Gripweed (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons (bearbeitet/modified)

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