Die wichtigsten Songs von Celo & Abdi

Frankfurter Straßenrap ohne Celo & Abdi? Unmöglich. Abderrahim el Ommali (Abdi) und Erol Huseinćehajić (Celo) lernten einander bei der Arbeit in einem Callcenter kennen und nahmen kurz danach das erste gemeinsame Mixtape auf. Mit dem oldschoolen Sound, eigenen Beats und innigen Lyrics bauen die Rapper mit ihrem ersten Album „Hinterhofjargon“ (2012) ein Gespräch mit ihren Hörer:innen auf und erreichen damit wohlverdient Platz 8 in deutschen Charts. Celo (steht übrigens im Bosnischen für Glatzkopf oder Glatze) und Abdi sind die Kumpel aus der Platte im Brennpunktviertel, die vieles erlebt haben und ihre Weisheit nun mit dir teilen wollen: „Ich erkläre Jargon auf Deutsch für Franz und Hans / Für’s ganze Land, ich kann wie ein Duden spitten /„Haye´d em kurda“ heißt „Leben ist’n Rudelficken“.“ Migration, Drogen, Ungerechtigkeit – diese Themen prägen die Songs von Celo und Abdi. Prägnant ist, dass die beiden Frankfurter mal melancholisch, mal witzig über die wichtigen Sachen des Lebens rappen. Populär, aber auch kontrovers aufgrund einiger antisemitischer Andeutungen in ihren Texten, sind sie aus der Frankfurter und der bundesdeutschen Rapszene nicht mehr wegzudenken. Ihre Tracks verdienen daher zumindest einmal angehört zu werden. Und genau zu diesem Zweck haben wir für euch die osTraum Liste mit den wichtigsten Songs von Celo und Abdi zusammengestellt.

1. Besuchstag

Lyrisch, melancholisch, naiv. Der „Besuchstag“ (Album „Hinterhofjargon“) bringt das ewige Thema des Gangsta-Raps auf – die Liebe zur Mutter. Durch den mittelschnellen Beat mit akustischer Begleitung kommen die Schuldgefühle und die Reue vor dem selbstgewählten Lebensweg hoch: „Drogenhändler statt Bänker geworden / Wollte und konnte nicht den Eltern gehorchen.“ Die Dramaturgie des Tracks nimmt durch den wehmütigen Klang einer Flöte zu, durch diese Besonderheit bleibt der „Besuchstag“ im Gedächtnis hängen. Auch XATAR und Veysel geben ihren Senf dazu, was den Song zu einem Handbuch für das Lyrische im deutschen Gangsta-Rap macht: „Mutter ist im Knast heute zu Besuch / Ihr Kopftuch erkenn ich schon vom Fenster / Samhay a yemma, dein Sohn ist ein Gangster“.

2. Diaspora

Ein Zeitsprung von 2012 nach 2017 macht deutlich, wie die Musik bei Celo und Abdi sich verändert hat. In „Diaspora“ ist der Beat deutlich schneller geworden, der Synthesizer und sogar Autotune sind dabei. „Diaspora“ ist eine Sage, eine Familiengeschichte über die Postmigrationserfahrung, über das Ankommen im fremden Land, den Bosnien-Krieg, die Nostalgie über die Heimat und die langen Fahrten ins Heimatland: „Als Ausländer musst du dich doppelt beweisen / Sagte mein Vater, als ich noch klein war.“ Die Erfahrungen von Celo und Abdi sind zwar unterschiedlich, aber sie haben auch etwas gemeinsames – das Leben in der Diaspora-Community. Das kommt in der Hook ganz deutlich zum Ausdruck: „Bis zur Rente Arbeit, hier bin ich Mensch, hier darf ich sein / Diaspora, Diaspora, Diaspora-a-a“.

3. Generation Tschö!

Dynamisch, wie ein schneller Kurzfilm – „Generation Tschö!“ (Album „Akupunktur“) erzählt über den Job als Drogendealer von klein an. „Generation kaputt“ läutet es im Kopf. Mit der Schilderung der krassen Realität zeigen Celo und Abdi die Rückseite der Medaille, die Backstage des Drogendealerships: „Das ist kein Spielfilm, das ist nicht Breaking Bad / Ey Digger, Johnny Depp war in Blow auch Dealer / Doch hinter den Kulissen ist er nur Schauspieler.“ Für „Generation Tschö!“ haben die Rapper das richtige Vokabular zur Seite, um das Problem schmucklos zu beschreiben und lassen die Straßen durch ihre Lyrics sprechen.

4. Rhythm ‚N Flouz

Celo und Abdi sind nicht zuletzt durch ihre erfolgreiche Feats bekannt, dazu zählt zweifelsohne auch ihr Song mit Olexesh und Nimo „Rhythm ’n Flouz“ (Album „Diaspora“). Der softe Sound, die entspannte Stimme von Olexesh, die leichtsinnigen Lyrics stimmen gleich auf den späten Abend in einer Großstadt ein, in der Gesellschaft bester Homies. Mit Relax pur geht „Rhythm ’n Flouz“ in die Richtung R ’n‘ B und Lounge-Shisha-Musik. Es geht hier aber natürlich wie in vielen Rap-Songs ums Flexen: „Ich hab‘ Stoff, ich hab‘ Schnaps, ich hab‘ Rhythm, ich hab‘ Flouz“. Das aufwendig produzierte Video mit Celo auf einem Pferd, dem Golfen auf der Dachterrasse und mit dem Hubschrauber im Hintergrund – „Rhythm ’n Flouz“ ist eine Hymne ans Flexen, die immerhin doch irgendwie angenehm anzuhören ist.

5. Undergroundchiefs

„Undergroundchiefs“ (Album „Akupunktur“) wirkt heute nostalgisch, etwas altmodisch, aber doch gerade dadurch atmosphärisch. Das ist eine Hommage an Frankfurt als Die Stadt des deutschen Raps: „Meine Stadt, Rap-Aorta, auf der Jagd, Franzaforta“. Mit dem klassischen, urbanen Hip-Hop Video mit der Hood und der Skyline, mit Parkhäusern und den Jungs, zeigen Celo und Abdi, was ihre Musik ausmacht. 2014, auf dem Höhepunkt ihrer Musik-Karriere, positionieren sich die beiden als Undergroundchefs der Frankfurter Rapszene. Der Track ist aber auch nicht ohne Kontroversen und zeigt die Haltung von Celo und Abdi zur Palästina: „Jargon des Hinterhofs, Libero meiner Squadra / General Che du Zoo, P-L-O, Freiheitskämpfer / Bring Parolen für die Straße aka Intifada“.

6. Kein Rückwärtsgang

Piano und tiefe Subwoofer-Wellen läuten „Kein Rückwärtsgang“ (Album „Diaspora“) ein und signalisieren Gefahr. LX bringt die düstere 187-Stimmung zu Celo und Abdi. Autorasen, Koks, Geld – die üblichen Themen des Gangsta-Raps prägen den etwas schwermütigen Track: „Kein Rückwärtsgang, wenn’s mit Koks nicht klappt / Renn ich mit Nougaplatten beladen durch die Wolkenstadt“. Die Drogengeschichten zeugen vom unterhaltsamen Sprachmix – Türkisch, Polnisch, Deutsch und Englisch –, der in der Szene herrscht. Ein 187’er mit Celo und Abdi – gar keine üble Kombi!

7. Rillé

In „Rillé“ (Album „Diaspora“) geht es um die Betrunkenheit, den Zustand, der an die Bewusstlosigkeit grenzt: „Brate, ich bin total rillé / Sitz‘ auf der Stufe vom Treppenhaus / Zwischen dem neunten und zehnten Stock / Und ich bin rillé“. Im Laufe des Songs offenbaren Celo und Abdi ihre Einkaufsliste für den Getränkemarkt: Heineken, Wodka Grasovka, Cîroc, Hennessy, Apfelsaft, Cola, Jack Daniel’s. Nicht ohne Stolz zählen die beiden auf, womit sie sich betrinken. Interessant hier ist, wie eine legalisierte Droge – Alkohol – statt üblichen Drogen zum Hauptthema des Songs wird. In der Hook hört man*frau orientalisch angehauchte Klänge und den mal schnellen, mal langsamen Beat mit magisch wirkenden Lyrics. Die Kombi lässt an die Halluzinationen beim Alkoholmissbrauch denken. Ein Soundtrack fürs Betrunkensein.


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Titelbild © YouTube

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