Paša Nikulin (moloko plus): Lesung & Präsentation „MAI“

Bis 2022 war der 9. Mai der Tag des Sieges über die deutschen nationalsozialistischen Truppen bzw. über das nationalsozialistische Deutschland unter Adolf Hitler. 2022 wäre der 77. Jahrestag der Niederlage Deutschlands und des Sieges alliierter Streitkräfte von Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion und den USA. Nicht zu vergessen sind hier auch die diversen Widerstandsbewegungen und -kämpfer*innen überall in Europa und Asien. Am 24.2.2022 marschierten Truppen Russlands in Ukraine ein und die Regierung Russlands begann so einen großflächigen Angriffskrieg, der sich seit 2014 angekündigt hat. Der Kreml setzte damit auch ein Ende dem Feiertag des 9. Mai, wie wir es kannten. In Russland wurde seit Jahren ein regelrecht politisch-okkultes Konstrukt um den Tag aufgebaut, bei dem zumindest Außenstehende das Gefühl bekommen können, dass es nicht nur der bedeutendste Tag in der Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch in der Zukunft, Russlands ist. Eine Zukunft, die ideologisch davon lebt, dass das Imperium am 9. Mai 1945 das Böse besiegt hat. Dass es nicht die alleinige Kriegspartei gewesen ist, dass die sowjetische Armee auch von den USA mit Technik unterstützt wurde, dass die UdSSR kameradschaftlich mit Hitler Deutschland 1939 Polen aufgeteilt hat, wird in Russland gern verschwiegen und vergessen. Seit Neuestem werden solche Aussagen sogar nach dem russländischen Strafgesetzt verfolgt.

In Deutschland mag der 8. Mai als der Tag der Kapitulation noch als ein historischer Tag in Erinnerung bleiben, doch für den postsozialistischen Raum ist der 9. Mai für immer aus dem Kalender gestrichen. Auch das „Deutsch-Russische Museum“ in Berlin-Karlshorst, das über den deutschen Vernichtungskrieg und seine Folgen aufgeklärt hat, hat sich umbenannt und von Russland unter Putin und Belarus unter Lukaschenka distanziert, wie es in der Pressemitteilung vom 27.4.2022 heißt:

Schon lange führen wir die Diskussion über unsere Bezeichnung als „Deutsch-Russisches Museum“. Denn dieser, obgleich historisch gewachsene Name spiegelt unsere tatsächliche Arbeit nur unzureichend wider. Wir erinnern an alle sowjetischen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges, unabhängig von deren Nationalität. Zukünftig werden wir unseren im Vereinsregister eingetragenen Namen „Museum Berlin-Karlshorst“ verwenden […] Angesichts des Angriffskrieges gegen die Ukraine möchten wir in diesem Jahr jedoch nicht mit staatlichen Vertretern der Russischen Föderation und
von Belarus den 8. Mai begehen.

Auch osTraum distanziert sich noch Mal und ausdrücklich von der Politik Russlands und Belarus‘ unter den Diktatoren. In dieser dramatischen Lage berichten wir über ukrainische Kultur und Hilfsmöglichkeiten für Ukrainer:innen. Dabei möchten wir aber auch die letzten freien Stimmen in Belarus und Russland nicht verstummen lassen. Wir möchten auch mit ihnen zusammenarbeiten.

Am 9. Mai 2022 organisieren wir die Präsentation des politisch-poetischen Tamizdats des unabhängigen und kritischen russischen Dichters, Journalisten, Anarchisten und Mitbegründers des Moskauer gegenkulturellen Almanachs moloko plus Paša Nikulin mit.

Paša Nikulin
„MAI“

mit
Sprachwissenschaftler und Mitbegründer
des osTraum Journals
Aleksej Tikhonov


ANSCHLIEßEND:
Frage-Antwort-Runde mit dem Publikum
zum Krieg Russlands gegen die Ukraine

18:00
9. MAI 2022
EINTRITT FREI


Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Russisch statt.
Die gesammelten Spenden des Publikums sowie die Honorare der Teilnehmenden werden an Hilfsorganisationen für ukrainische Menschen auf der Flucht/mit Fluchterfahrung und die Zivilbevölkerung in Ukraine gespendet.

Universität Potsdam
Campus I – Am Neuen Palais
Haus 9, Raum 1.14
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam

Das Facebook-Event zur Lesung

Das Event wird auch über Zoom übertragen. Kontaktiert uns, um den Link zu bekommen.

Kontakt:
redaktion@ostraum.com
Telegram: @tikhonal


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Titelfoto © osTraum

Ein Kommentar

  1. rotherbaron

    Leider lebe ich zu weit weg von Berlin. Aber alle echten RussInnen machen mir so viel Hoffnung! Ich habe einige Jahre in Russland gelebt, ein Teil meiner Vorfahren ist “ aus dem Osten“. Ich liebe die russische Sprache und Kultur. Dieser Krieg ist in seiner Sinnlosigkeit und Grausamkeit ein entsetzlicher Schmerz. Putin und Co zerstören nicht nur die Ukraine, sondern auch Russland. Viel Kraft und Zuversicht!

    Gefällt 1 Person

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