Mark Filatov, Slavik & der Deutsche Comedypreis

Mark Filatov – dieser Name wird wohl den wenigsten etwas sagen. Slavik oder die Ost Boys sind dagegen eher ein Begriff. 2020 bekam der Schauspieler Mark Filatov mit seiner Mockumentary „Slavik – Auf Staats Nacken“ den Deutschen Comedypreis in der Kategorie Beste Comedy-Serie. osTraum hat sich die Serie angeschaut und möchte nun seinen Senf dazu geben und über die Rolle von Slavik bzw. Slavik Junge diskutieren.

Alle Bilder © Slavik Junge Instagram

die Story

Slavik Junge wurde mit einem YouTube-Projekt bekannt – vermutlich handelt es sich um die Ost Boys, jedoch fällt der Name in der Joyn-Produktion nicht. Die Mitarbeiter*innen des JobCenters Marzahn-Hellersdorf (der genaue Ort wird zwar nicht genannt, ist aber zu erkennen) stellen nachträglich fest, dass Slavik gleichzeitig Geld auf YouTube verdient und staatliche Stütze erhalten hat. Er bekommt dafür keine Strafe, aber ein Angebot – für die Agentur für Arbeit soll der Influencer kostenlos Werbevideos drehen. So werden von ihm acht Berufe getestet: Kosmetiker, Erzieher, Polizist, Hausmeister, Stadtführer, Bauarbeiter, Freizeitpark-Manager und Altenpfleger.

Werbefilme über Berufe

Die Serie um die fiktive Figur Slavik hat etwas zu bieten, was die Konkurrenz (Andere Eltern (TNT Comedy), Frau Jordan stellt gleich (Joyn/ProSieben), jerks. (Joyn/ProSieben), Think Big! (Sat.1)) nicht bieten kann und das ist, so banal es klingen mag, Slavik selbst. Slavik MA4 bzw. Slavik Junge ist ein Influencer mit 1,4 Mio. Follower*innen auf Insta. Seine Rolle ist schon seit ein paar Jahren eingespielt und an Charisma fehlt’s ihm nicht. Zudem wirft jede Folge Fragen auf, die keinen gleichgültig lassen können – Altersarmut, Alltagsrassismus (vor allem die Folge auf dem Bau) und sogar die „deutsche Leitkultur“. All das mit Slaviks typischem „Post-Migranten-Assi“-Humor und einer fabelartigen Weisheit zum Abschluss jeder Folge überzeugte das Publikum, das zum ersten Mal anstatt einer Jury abgestimmt hat. In seinen Schlussfolgerungen merkt Slavik aber immer wieder, dass die vorgestellten Berufe nichts für ihn wären. Trotzdem bleibt bei den Zuschauer*innen das Gefühl, dass die meisten der Berufe für die Gesellschaft enorm wichtig sind, bekommen aber oft nicht genügend soziale Anerkennung oder werden schlicht unterbezahlt.

Gibt es Gopniki überhaupt?

Seitdem es die Ost Boys im deutschsprachigen YouTube gibt, wird das Image eines Gopniks mit Slavik assoziiert. Zu seinen charakteristischen Merkmalen zählt unter anderem das exzessive Verwenden des russischen vulgären Wortschatzes. Dabei betont der Darsteller oft, dass er aus Kirgisistan kommt, was auch tatsächlich der Biografie von Mark entspricht. Es könnte dabei der Eindruck entstehen, in Kirgisistan wird ausschließlich Russisch gesprochen. In Wirklichkeit beherrschen etwa 40 % in Kirgisistan Russisch als Mutter- oder Zweitsprache. Etwas über 70 % der Bevölkerung verstehen Kirgisisch als ihre Muttersprache. Anzumerken ist natürlich, dass das Russische seit der Sowjetzeit vor allem mit Wirtschaft, Politik und Kultur assoziiert wird. Deshalb schrieb auch der kirgisische Nationalautor Tschingis Aitmatow Russisch.

Das Image eines Gopniks ist mittlerweile überholt. Auf der Straße werden hybride Identitäten immer dominanter, wie Slavik es auch selbst zeigt – er kommt aus Kirgisistan, spricht Deutsch mit vor allem russischen Einsprengseln, sitzt abends mit seinen Kumpels in der Shisha Bar und fragt Kinder, die er als Erziehungspraktikant betreut, „Wer ist Baba bei euch?“, um „the cool kid“ – die*den Gruppenanführer*in – zu finden. All das ist eigentlich positiv. Es ist eine soziokulturelle Entwicklung, der wir nicht entgehen können (auch wenn das einige konservative Politiker*innen in Deutschland gern hätten) und das ist auch gut so. Was zu hinterfragen ist, warum Mark Filatov an seiner Rolle als Gopnik festhält und damit Stereotype über Menschen mit post-sowjetischem Hintergrund stärkt? Das Publikum hat es vielleicht schon bemerkt, dass Mark viel mehr kann als der Pazan aus Marzahn zu sein. Angefangen hat er als Kind bei KiKA und spielte in den vergangenen Jahren unter anderem bei SOKO 5113 (2014) und Lara (2019):

Im „Lara“-Trailer ist Mark Filatov zwar nicht zu sehen, schaut euch aber den kompletten Film an – ein Meisterstück über Berlin, Talente und Eltern-Kind-Beziehungen.

Vielleicht liegt es am allgemeinen Problem der Filmindustrie? Die Konkurrenz seitens Social Media wächst jeden Tag und für junge Schauspieler*innen kann es mittlerweile wirtschaftlicher sein Influencer zu werden. Die Serie „Auf Staats Nacken“ ist einer der ersten Versuche beides zu verbinden – Leichtigkeit und Spontanität von Social Media gepaart mit aufwendigem Drehbuch, Postproduktion und einem umfangreichen Cast. Zukunftsorientiert wäre zumindest das ein guter Grund, warum die Serie den Deutschen Comedy Preis gewonnen hat.

Slavik ist keine Ausnahme, aber ein Talent

Es könnte der Eindruck entstehen, heutige Schauspieler*innen müssen Multitalente sein – Musiker*innen, Influencer*innen, Models, Blogger*innen. Allerdings waren viele Schauspieler*innen bereits längst vor der Social-Media-Zeit solche Multitalente. Mark Filatov ist keine Ausnahme. Unter anderem seine Songs dienten der Serie als Soundtrack:


Slavik auf Instagram
Auf Staats Nacken auf Joyn


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Titelfoto © Slaviks Instagram


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