Die 3 Fragen an das Durakkollektiv

Lust Durak zu spielen? Seit gar nicht so langer Zeit kannst du das in Berlin machen, dabei auch neue aufgeweckte Menschen kennenlernen und dich bei einem Gläschen Limo oder etwas Härterem über Politik und Gesellschaft austauschen. osTraum hat mit dem Durakkollektiv gesprochen. Doch bevor es zu unserem Frage-Antwort-Spiel kommt, steht die berechtigte Frage im Raum: Was ist überhaupt Durak?

Das Spiel wird seit etwa dem späten 18. Jahrhundert in ost- und zum Teil in westslawischen Regionen, aber z.B. auch im Baltikum, gespielt. Ursprünglich war es ein Vergnügen, das konträr zu der Bildungs- und der Regierungsschicht stand, die Lomber oder andere Kartenspiele aus Österreich-Ungarn oder Frankreich bevorzugte. Der russische Name des Spiels ist dabei nicht die einzige Option für dessen Bezeichnung: auf Polnisch Dureń, auf Ukrainisch: Duren‚ oder auf Belarusisch Duran‘. In der Sowjetunion breitete sich das Spiel durch freiwillige und erzwungene Migration weiter aus und kann heute in vielen Ländern angetroffen werden, die mal sowjetisch gewesen sind.

Durak ist ein Kartenspiel, das meistens mit einem Deck von 36 Karten gespielt wird. Ziel des Spiels ist es, alle Karten loszuwerden, wobei die letzte Person mit Karten auf der Hand zum Durak (russisch für „Dummkopf“) wird. Spieler:innen wechseln sich ab, indem sie der nächsten Person eine Karte auflegen, die überboten werden soll. Dabei muss die überbietende Karte nicht nur höher im Rang sein, sondern auch die gleiche Farbe haben. Es gibt aber auch so was wie einen Joker – für jedes Spiel wird nach dem Zufallsprinzip eine Farbe gewählt, die alles schlagen kann. Gelingt es, können weitere Karten nachgelegt werden, die ebenfalls überboten werden müssen, die lediglich auch nur den Wert der Karten haben dürfen, die bereits auf dem Tisch liegen. Ganz grob sind es die Grundregeln. Es gibt aber viel mehr Einzelheiten, die man:frau am besten einfach ausprobiert. Learning by doing ist das Motto hier und die Grundregel der nach dem Zufallsprinzip gewählten Sonderfarbe zeigt auch, dass das Spiel viel Raum für Flexibilität, strategische Täuschung und Anarchie bietet. Mehr darüber in unserem Gespräch.

osTraum: Wie kam die Idee zum Durakstammtisch?

Das Durakkollektiv: Das begann so im März 2024 durch eine Instagramstory, in der ein:e von unseren Gründer:innen gefragt hat, wer Lust auf eine Runde Durak hätte. Daraufhin haben sich eine Hand voll Leute gemeldet, die sich verabredet haben. Ein paar davon waren engere Freunde und ein paar einfach nur Bekannte. Anfangs war es überhaupt nicht als regelmäßiges Event geplant, aber es hat so spaß gemacht, dass wir uns an dem Abend direkt für den Donnerstag in den darauffolgenden zwei Wochen verabredet haben. Natürlich haben wir von dem Abend auch ein paar Bilder und witzige Sprüche in unsere Stories gepostet. Daraufhin haben sich noch mehr Leute gemeldet und Interesse bekundet. So haben wir dann eine Telegramgruppe gegründet, über die wir angefangen haben uns in einem zwei Wochen Turnus zu verabreden. Zuerst lag der Fokus darin ein bisschen von unserem politisch geprägten Alltag abzuschalten, zusammen Karten zu spielen und einen Raum zu haben, in dem wir uns regelmäßig und unverbindlich treffen können.

Mit der Häufigkeit unserer Treffen und dem Zuwachs an Teilnehmer:innen entstand dann so eine Art kleines Kollektiv und wir fingen an uns scherzhaft den Durakverein zu nennen und über eine Vereinsgründung nachzudenken. Was alles als Spaß anfing, brachte aber neben dem Kartenspiel auch immer mehr Ideen auf den Tisch. Da der Großteil unseres Kollektivs beruflich mit politischer Bildung zu tun hat, kam auch die Idee mithilfe des Spiels ein sowohl niedrigschwelliges, als auch abwechslungsreiches Konzept von Spiel und Bildung zustande. Das Spiel selbst durch seine vielen ungeschriebenen Regeln lädt zum Diskurs ein. Bei uns müssen die Regeln im Zweifel durch demokratische Abstimmung am Tisch geregelt werden. Obwohl wir bereits seit fünf Monaten spielen, haben wir uns immer noch nicht auf ein festes Regelwerk einigen können. Dafür aber haben wir uns auf das basisdemokratische Abstimmungskonzept bei jedem neuen Spiel geeinigt, welches jedoch durch das erlaubte Schummeln auch Raum für ein bisschen Anarchie bietet. Das macht dieses Spiel unserer Meinung nach zu einem perfekten Begleiter politischer Bildungsveranstaltungen. Weswegen wir Ende Juli ein Durakturnier, begleitet mit einem Vortrag von Dastan Jasim zum “Innermigrantischen Rassismus”, veranstaltet haben.

osTraum: Wer besucht euren Stammtisch und auf wie viele Teilnehmer*innen seid ihr vorbereitet? Habt ihr eine bestimmte Zielgruppe?

Das Durakkollektiv: Wir haben keine bestimmte Zielgruppe und laden alle herzlich zum Spielen ein! Gerade ist es so, dass wir überwiegend eine Gruppe russischsprachiger Studierender sind. Trotzdem ist es hinsichtlich der Identitäten, Altersstufen, Berufsgruppen u.s.w. wild durchmischt. Unser Kollektiv besteht aus knapp 15 Leuten und zu unserem Turnier sind etwa 50 Menschen erschienen. Seit unserem Turnier haben wir acht vereinseigene Kartendecks. Es sind ganz schlichte Pokerkarten, die wir im Internet bestellt haben. Privat haben wir natürlich sehr viele unterschiedliche Decks, mit denen wir gerne abwechselnd spielen. Aber wir wünschen uns für die Zukunft mit Künstler:innen zusammenzuarbeiten und eigene Decks zu drucken. Gerade arbeitet @crumblemental an einem Durakdeck für unsere Stammtische. Wahrscheinlich werden wir es über Crowdfunding drucken lassen.

Das Durakkollektiv auf dem Vëryl Festival bei Berlin

osTraum: Wo sollten Menschen euch folgen, damit sie den nächsten Stammtisch nicht verpassen?

Das Durakkollektiv: Wir führen alle vier Wochen Donnerstags einen offenen Stammtisch in Berlin durch, dabei wechseln wir jedoch regelmäßig den Veranstaltungsort. Es ist also ein Wanderstammtisch. Außerdem erreichen uns mittlerweile auch Anfragen aus anderen Städten, ob wir nicht Veranstaltungen begleiten, oder selbst durchführen würden. Der nächste offene Stammtisch findet am Donnerstag dem 12.09. statt. Alle Informationen zu Locations und weiteren Terminen findet man entweder auf unserem Instagram-Account oder in unserer Telegramgruppe.

Fotos: Zur Verfügung gestellt von dem Durakkollektiv


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