FEMIZID in POP-Musik, Pt. 1: MANIZHA

Auf engstem Raum mit dem Peiniger sein… wohnen, essen, schlafen, ihn nicht aus der Fassung bringen, all seine Wünsche erfüllen. Der Täter ist meistens ein Mann, das Opfer – eine Frau oder ein Kind. Vor allem während der weltweiten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen beobachten Medien, NGOs, Soziolog*innen und die ausführende Gewalt eine Explosion der Hausgewalt.

Auch in Russland ist es ein Thema, das nicht nur aktuell ist, sondern auch schon vor den staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Ausbreitung sehr brisant war. Der Hintergrund: die russische Regierung hält daran fest, dass Hausgewalt ein internes Problem jeder Familie ist und der Staat da nicht eingreifen darf. So kommt es, dass in nicht-staatlichen Medien in Russland fast täglich Meldungen über weitere brutale Vorfälle veröffentlicht werden. Dabei sind es nur die Fälle, die bekannt werden. Viele bleiben unbemerkt. Russischsprachige Musiker*innen wollen auf das Problem der Hausgewalt aufmerksam machen und ihr Einsatz begrenzt sich nicht „nur“ auf Instagram-Postings, sondern sie produzieren wahre Hits, Album-Cover und aufwändige Videos zu dem Thema. osTraum hat sich entschieden, ihre Lyrics aus dem Russischen ins Deutsche zu übertragen. Die osTraum-Nummer 1 ist die tadschikisch-russische Künstlerin MANIZHA mit dem Lied „MAMA“:

Auch wenn in unseren Booten viel Platz ist,
segelt jeder trotzdem allein.
Es ist schwer, dünn zu sein; Es ist schwer, ehrlich zu sein;
Es ist schwer, wenn du angelogen wirst.

Meine Mutter umarmte mich, doch nicht dafür,
dass ich heute nichts sage.
Schweige nicht. Schweige nicht.

Wir verlieren einander dort, wo die Winde einen für ewig entführen.
Es macht Angst, was als nächstes kommt. Es macht uns Angst, wenn alles ohne Lüge ist;
Es macht Angst, wenn niemand auf dich wartet.

Meine Mutter umarmte mich, doch nicht dafür,
dass ich heute nichts sage.

Weck mich nicht, Mama.
Weck mich nicht, weck mich nicht, weck mich nicht!
Weck mich nicht. Weck mich nicht, Mama.
Es sind zu viele in diesem Haus aus Glas;
Zu viele von denen, die ich nicht retten konnte.

Weck mich nicht, Mama.
Weck mich nicht, weck mich nicht, weck mich nicht!
Weck mich nicht. Weck mich nicht, Mama.
Es sind zu viele in diesem Haus aus Glas;
Zu viele von denen, die ich nicht retten konnte.

Wir verlieren einander dort, wo die Winde einen für ewig entführen.
Es macht Angst, was als nächstes kommt. Es macht uns Angst, wenn alles ohne Lüge ist;
Es macht Angst, wenn niemand auf dich wartet.

Meine Mutter umarmte mich, doch nicht dafür,
dass ich heute nichts sage.

Weck mich nicht, Mama.
Weck mich nicht, weck mich nicht, weck mich nicht!
Weck mich nicht. Weck mich nicht, Mama.
Es sind zu viele in diesem Haus aus Glas;
Zu viele von denen, die ich nicht retten konnte.

Weck mich nicht, Mama.
Weck mich nicht, weck mich nicht, weck mich nicht!
Weck mich nicht. Weck mich nicht, Mama.
Es sind zu viele in diesem Haus aus Glas;
Zu viele von denen, die ich nicht retten konnte.

Nicht retten konnte…

Am Ende des Videos wird „einfach“ nur die Statistik gezeigt:

jeden Tag leiden in Russland 36 000 Frauen unter der Gewalt ihrer Ehemänner

Manizha benutzt, was sie hat – Worte, Musik, Bilder, Stimme. Ihre Stimme ist ein Unikat und das Lied sticht deshalb aus der aktuellen Musikszene in Russland hervor. Sehr untypisch für die russischsprachige Pop-Szene ist auch, dass sie viel auf Englisch singt. Es klingt auch authentisch und hat etwas vom R&B und Soul. Die Stimmung ihrer Werke ähnelt Amy Whinehouse, sie ist aber keine Kopie des Ostens. Manizha ist eine der wenigen russischen Sänger*innen, die das Potenzial haben, auch im Westen anzukommen und zwar nicht nur in der russischsprachigen Diaspora.


Titelfoto: VK von Manizha


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