Mosaik-Kunst einer gescheiterten Utopie

Mosaik im öffentlichen Raum ist eine seltene Kunstart…zumindest außerhalb von europäischen Ländern, deren Blütezeit in der Antike liegt. Mit Ausnahmen, wie der christlichen Kirchenkunst, kam das große Revival von Mosaik im 20. Jahrhundert. In der Sowjetunion und allgemein im ehemaligen sozialistischen Block wurde sie zum allgegenwärtigen Begleiter des neuen „kommunistischen“ Menschen.

Der russisch-sowjetische Dichter Wladimir Majakowski beschrieb das Wesen und den Sinn der Poeten als Handwerker, als Träger und Ingenieure der Revolution in den Köpfen und Herzen der Menschen. Das (Selbst-)Verständnis des Dichters in den 1920-er/1930-er Jahren prägte danach ganze Generationen von Künstler*innen…zumindest offiziell. Die Einbindung von Künstler*innen in die Politik ist eine klar definierte Aufgabe für die Erbauer*innen der schönen neuen Welt. Alle bauten mit. Spätestens 1991 wurde klar – aus dieser Utopie ist nichts geworden. Doch ihre Bruchstücke sind bis heute überall anzutreffen – in der Stadt und auf dem Land, in und auf Schulen, in der Metro und in Geschäften, an Universitäten und in Bibliotheken. Katja Koch und Aram Galstyan haben eine umfangreiche Arbeit vollbracht und zeigen dem deutsch-/englischsprachigen Publikum die Mosaik-Schätze des post-sowjetischen Raums.

Auch wenn es die Sowjetunion nicht mehr gibt, sind immer noch oft in der Aufarbeitung dieser Zeit der Moskauzentrismus und die Dominanz der russischen Kultur vorhanden. Umso mehr wird der Fotoband „Mosaiki: Bruchstücke einer Utopie“ zu einem Unikat. Es befasst sich mit Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und der Ukraine. Sicherlich gibt es mittlerweile auch andere Bücher, die Mosaik und andere Kunstarten des öffentlichen Raums in der Sowjetunion und einzelnen ehemaligen Teilrepubliken zeigen. Koch & Galstyan ist es aber gelungen eine Sammlung zu erschaffen, die abseits der Hipster-Glorifizierung des post-sowjetischen Raums liegt und zeigt, wie gezielt und systematisch Menschen in ihrem Alltag darauf getrimmt wurden, optimistisch in die Zukunft zu schauen und an die Erlösung durch den kommenden Kommunismus zu glauben.


Katja Koch und Aram Galstyan

Mosaiki
Bruchstücke einer Utopie: Mosaiken im postsowjetischen Raum
Fragments of an utopia: Mosaics in post Soviet areas

2019 Lukas Verlag


Bildquelle (Titelbild): Eigene Aufnahme, Buchcover © Lukas Verlag

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