Prager Kunstszene, Pt. 1: Museen & Galerien

Auf den ersten Blick sind viele Prag-Besucher*innen von dem Kultur-Angebot überwältigt. In der Altstadt tummeln sich zahllose Schilder mit der Aufschrift „Galerie“. Doch nur die wenigsten Kunstliebhaber*innen werden in den vielen kleinen Geschäften mit Bildern beliebter Sehenswürdigkeiten und dem typischen „Touristenkitsch“ fündig. Die osTraum-Serie Prager Kunstszene bringt Licht ins Dunkle und stellt euch einige der Orte vor, an denen die Künstler*innen der Stadt zusammenkommen und das Kulturleben nachhaltig beeinflussen. Die Kunstszene der tschechischen Hauptstadt unterlief in den letzten Jahren einem rapiden Wandel. Einige Galerien und Locations verschwanden, andere kamen hinzu. Diese Auflistung bietet aber „nur“ einen Ausschnitt.

Galerie Rudolfinum

Die Galerie Rudolfinum befindet sich direkt im Stadtzentrum von Prag und teilt sich ein Neorenaissance-Gebäude, das an die Dresdner Semperoper angelehnt ist, und die tschechische Philharmonie. Besonders zu den Vernissagen kommen im Rudolfinum zahlreiche Akteur*innen der Prager Kunstszene zusammen. Gezeigt wird zeitgenössische bildende Kunst, z.B. Soloausstellungen von Juergen Teller, Andy Warhol, Georg Baselitz, Damien Hirst und Krištof Kintera.

The Chemistry Gallery

The Chemistry Gallery ist eine Prager Galerie, die sich anfangs in einem Gebäude mit weitläufigen Atelier- und Coworking-Flächen nahe der Metrostation Vltavská befand. Nachdem dessen Abriss musste die Galerie ausziehen und fungiert heute als Galerie ohne festen Standort. Stattdessen organisiert The Chemistry Gallery Pop-Up-Ausstellungen in der ganzen Stadt. Dabei liegt der Fokus auch auf der Förderung des künstlerischen Nachwuchses. Oft gibt es in der Chemistry Gallery auch Events mit Live-Musik und/oder -Visuals. Außerdem war die Galerie zuletzt 2016 gemeinsam mit dem ehemaligen benachbarten Club Neone ein Veranstaltungsort des Prager Lunchmeat Festival, über das im nächsten Teil der Serie berichtet wird.

Museum Kampa

Das Museum Kampa befindet sich im Zentrum Prags auf einer Insel in der Moldau, nahe dem Stadtteil Malá Strana (deutsch: Prager Kleinseite). Zum Museum gehört auch ein tagsüber öffentlich zugänglicher Park mit Skulpturen verschiedener Künstler*innen, darunter unter anderem die bekannten Babies des Prager Bildhauers David Černý (mehr über Černý und seine Arbeiten im fünften Teil der Serie). Gegründet wurde das Museum Kampa in den 1990er Jahren von Mleda Mládek in einer historischen Mühle, die aufwendig mit Glaselementen modernisiert wurde. Die Kunsthistorikerin und -sammlerin aus Tschechien wurde 1912 in Polen unter dem Namen Marie Sokolová geboren und studierte zunächst an der Karlsuniversität in Prag. Später lebte sie in England, Paris und, nach der Heirat mit ihrem Mann Jan Mládek, in Washington. Nach der samtenen Revolution 1989 zog das Paar wieder nach Prag, um sich um das Museum und die dazugehörige Stiftung zu kümmern.

Uměleckoprůmyslové museum v Praze

Das Prager Kunstgewerbemuseum beherbergt die umfangreichste Sammlung angewandter Kunst in Tschechien mit Objekten von der Spätantike bis zur Gegenwart. In dem alten Palast werden Sammlungen aus den Bereichen Glas, Keramik, Porzellan, Möbel, Metalle, Edelmetalle, Textilien, Mode, Spielzeug, graphische Kunst, Fotografie und Uhren gezeigt. Zudem gibt es wechselnde Sonderausstellungen, die besonders auch Prager*innen anziehen. Zuletzt waren das Lebenswerk des tschechischen Fotografen Josef Koudelka oder eine Ausstellung zur Veröffentlichung der ersten Ausgabe des Fashion-Magazins Vogue für Tschechien & die Slowakei zu sehen.

Národní Galerie Praha

Die Prager Nationalgalerie setzt sich aus insgesamt elf Gebäuden zusammen. Verschiedenste Kunstrichtungen, Stilepochen und Zeitperioden. So findet man im Veletržní palác zeitgenössische Kunst aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert, im Schwarzenberg-Palast tschechische Barockkunst und im Konvent St. Agnes von Böhmen mittelalterliche Kunst.

Zum ersten Mal wurde die Nationalgalerie 1796 von einer Gruppe tschechischer Adliger und Intellektueller aus der Mittelschicht schriftlich erwähnt. Ihr selbsterklärtes Ziel war es, den „degenerierten Geschmack der Öffentlichkeit“ zu verbessern. Sie organisierten sich später unter dem Namen „Gesellschaft patriotischer Freunde der Kunst“ und gründeten die Prager Akademie für bildende Künste (AVU) sowie eine Galerie, aus der die heutige Nationalgalerie entstand. 1918 ging diese in den Besitz des tschechoslowakischen Staates über. Die Galerie stellt nicht nur zahlreiche Werke aus der Kunstgeschichte Tschechiens und Europas aus, sie übernimmt heute auch eine wichtige Funktion in der Kunstforschung.


WART IHR SCHON MAL IN EINER GALERIE IN PRAG?


Alle Fotos © Katja Müller für osTraum


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