Kronkel Dom: vom kleinen Jungen aus Polen zum grossen Deutschrapper

osTraum berichtete bereits über Deutschrapper*innen, die einen polnischen Hintergrund haben. Es gibt zwar noch einige weitere, doch für einen 7’er hat’s bis jetzt nicht gereicht. Dafür hat osTraum die exklusive Möglichkeit erhalten, einen gehypten Star von morgen zu interviewen – Kronkel Dom. Ein Rapper aus dem Ruhrgebiet, geboren im nordpolnischen Örtchen Brodnica. Am 23. August erscheint seine neue Single und osTraum konnte ihm noch kurz davor ein paar Fragen stellen.

Kronkel ist ein bekannter Coffeeshop im niederländischen Nijmegen, Dom ist allgemein eine Kathedrale oder auf Polnisch ein Haus. Soll also dein Künstlername in etwa heißen – „Die Kathedrale/Das Haus von Marihuana“? Wie kam der Name zustande?

Stark recherchiert, allerdings leider nicht ganz korrekt… haha… natürlich inspiriert man sich als überzeugter Marihuana-Konsument von einem Coffeeshop:) Kronkel bedeutet aber mehr als das und zwar: „der mit dem Gewissenstwist/-wirbel“ in Afrikaans. Und Dom stammt von meinem Vornamen ab – Dominik.

Du bist in Polen geboren und bist mit deiner Mutter als Kind nach Dortmund gekommen. Würdest du dich als zweisprachig bezeichnen? Oder sprichst du noch weitere Sprachen?

Ja genau, bin mit 6 Jahren alleine mit meiner Mutter nach Deutschland gekommen. Wir sprechen untereinander bis heute Polnisch. So würde ich mich auf jeden als zweisprachig sehen. Oder zählen die mittlerweile rückwärts und vorwärts auswendig gelernten Tapes von Nas oder Biggi als Englisch-Kompetenzen?

Dortmund ist die größte Stadt im Ruhrgebiet. Welche Rolle hat die Stadt in deinem Erwachsenwerden und deinem Werdegang als Rapper gespielt? Vielleicht bestimmte Gegenden? 

Dortmund hat mich von klein auf schon geprägt. Alleine die Umstellung aus einer polnischen Kleinstadt in eine kulturell facettenreiche Großstadt zu ziehen, war eine Erfahrung, die mich im Leben auf jeden Fall weitergebracht hat. Ich erwähne „meine Stadt“ auch gerne in Songs, da Dortmund für mich eine mindestens zweite Heimat geworden ist.

Von welchen Kulturen wurde deine Umgebung geprägt – Polnisch, Türkisch, Arabisch, Deutsch? Wie hat es sich auf dich ausgewirkt?

In erster Linie wurde ich von der polnischen Kultur geprägt, da wir ob es Essen oder Feiertage sind, sehr traditionell leben oder sagen wir, es, so gut, es geht, versuchen. Durch viele Freunde – egal ob Türken, Araber, Russen oder Deutsche – habe ich nach und nach auch alle Nationalitäten bzw. Kulturen besser kennengelernt. Bei mir gibt es so oder so keine Gruppierungen nach Herkunft.

Hörst du auch polnische Musik? Wenn Ja, was würdest du unseren Leser*innen empfehlen?

Auf jeden! Ich glaube, wenn ich meine „Liste“ auspacke, würden die Cuzis das Interview bis Weihnachten nächsten Jahres lesen. Ich versuche mich kurz zu halten. Wer Bock auf modernen Trap hat, dem kann ich nur das gesamte SBM Label ans Herz legen und auch Quebonafide – ich denke aktuell Polens gehyptester Künstler. Wer aber auf Klassiker steht – und da war Polen schon in den späten 1990ern ganz weit vorne in Europa – kann ich Cuzis wie Molesta Ewenement oder WWO empfehlen. Habe sie damals als kleiner Junge rauf und runter gehört.

Deine Musik weist Elemente solcher Genres wie House und teilweise auch von Hardbass auf. Haben dich bestimmte Künstler*innen in diesen Richtungen beeinflusst? 

Bestimmte Künstler nicht direkt, eher die Musik, die bei unseren westlichen Nachbarn in den Niederlanden so an den Tag gebracht wird. Sie gefällt mir auf jeden Fall sehr und da habe ich auch so ein bisschen meine Inspiration rausgezogen. Muss zugeben, höre extrem wenig Deutschrap.

Deutsche Straßen- und Gangster-Rapper provozieren oft mit Homophobie, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus in ihren Texten. Was meinst du zu solch einer Tendenz?

Ich sehe das alles nicht ganz so streng. Natürlich gibt und gab es immer Musiker, die ganz klar Grenzen überschritten haben. Das ist nicht cool. Allerdings bin ich selbst ein Rapper, der mit viel Ironie an die Sache rangeht. Ich verarsche mich selbst in meinen eigenen Songs und und und… Lassen wir Rap mal Rap sein.

Hast du eine Meinung zum Feminismus im Deutschrap?

Für mich gibt es keinen Unterschied, ob Mann oder Frau, solange die Musik gut ist – feiert man sie.

Welche 5 Tracks würdest du unseren Leser*innen empfehlen?

Meine Cuzi Allo EP auf jeden Fall – mein erstes offizielles Werk auf professioneller Basis. Für jeden, der sich die EP noch nicht angehört hat, lohnt es sich.

Möchtest noch etwas sagen?

Ihr könnt Nike Sneaker mit einer Adidas Jogginghose kombinieren. Lasst euch nichts einreden. Allo Cuzis!


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Alle Bilder wurden von Kronkel Dom’s Management zur Verfügung gestellt.

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