Geschweige denn Ostrava. Ostra…Was? oder Die letzte Metro: CZ-Literatur heute

Die Literatur unseres Nachbarn – der Tschechischen Republik – ist reich an Namen – da würden einem Bücherwurm sofort einige einfallen Čapek, Hašek, Seifert, Kundera… Aber was ist mit der aktuellen Literaturszene in Tschehien los? Kundera schreibt zwar noch aktiv, aber eben auf Französisch und ist außerdem nicht in Tschechien ansässig und auch kein Knabe mehr. Wie sieht es mit neuen Literat_innen?  Dieser Frage nachzugehen, helfen zwei vor kurzem in Deutschland erschienene Sammelbände über die neue, junge und morgen schon weltbekannte tschechische Literatur. Das heißt: Das deutsche Publikum hat jetzt keine Entschuldigung mehr, über moderne Literatur im Nachbarland nicht Bescheid zu wissen. 

Geschweige denn Ostrava (Wallstein Verlag 2012) und Die letzte Metro (Voland & Quist 2017) sind zwei Bände tschechischer Autor_innen des 21. Jahrhunderts. Fünf Jahre liegen zwischen den beiden Editionen. In „Der letzten Metro“ trifft man mehrere Beiträge von den gleichen Schriftsteller_innen, die meisten Autor_innen aber werden anhand eines Auszugs aus einem ihrer Werke vorgestellt. Was die Besetzung betrifft, so kommen 2017 viele Neue hinzu – die Wahl-Berlinerin Dora Kaprálová, Petr Hruška aus Ostrava, Prager Emil Hakl, Eva Turnová aus The Plastic People of the Universe und viele weitere. Aus dem Sammelband des Wallstein Verlags 2012 sind aber 2017 noch Jaroslav Rudiš und Petra Soukupová geblieben.

„Die letzte Metro“ von Voland & Quist scheint, ihrem Vorreiter entgegen im Durchschnitt etwas jünger zu sein. Es zeigt mehr von den wirklich neuen bzw. jungen Autor_innen. Geschweige denn Ostrava hat aber dafür passende Illustrationen von ebenfalls tschechischen Künstler_innen. Ein direkter Vergleich zwischen den zwei Almanachen bleibt jedoch schwer, denn sie hatten vom Beginn an verschiedene Konzepte – eine Literatur-Zeitschrift aus dem Jahr 2012 und ein Sammelband aus dem Jahr 2017. Beide Werke haben nichtsdestotrotz das gleiche Ziel – sie zeigen die junge tschechische Literatur, die sich nicht mehr mit der samtenen Revolution, dem Exil oder dem Fall des Eisernen Vorhangs beschäftigt. Es ist eine neue Generation von Autor_innen, die über das Heute berichten und sich nicht an die Visionen aus der Vergangenheit klammern. Somit gehört es ganz klar zur zeitgenössischen europäischen Literaturszene. Oft geht es gar nicht um Tschechien oder die Tschechen, es geht um Menschen und ihre Schicksale – egal, ob in Prag, Berlin oder Ulaanbaatar. Es ist europäische Literatur, erzählt oder gedichtet aus einer etwas anderen Perspektive mit einer gewissen Leichtigkeit des Seins.

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