‚Kanye East‘ aus Estland

Tommy Cash wäre vielleicht „Die Antwoord“ aus Estland gewesen… wenn sein Projekt noch eine Vokalistin wie Yolandi Visser hätte. Tommy Cash ist eine Art von Künstlern, über welche die Medien wie VICE gern schreiben: kitschig, mit sex appeal, besonders. Oder auch mit spezifischem osteuropäischem Akzent. Ein Fakt ist, dass der Rapper aus Estland allerdings ein Image hat, das Einem in Erinnerung bleibt. In einem Interview für i-D VICE sagt Tommy, er möchte „Kanye East“ sein.

Was macht aber einen Kanye aus dem Osten aus? Auf jeden Fall kitschige postsowjetische Landschaften in Videoclips, typische Kleidung und Manieren. Die Videos von Tommy Cash haben ein eigenartiges Setting: Ikonen auf Wandteppichen, Plattenbauten, grimmige osteuropäische Männer, großbusige Frauen. Der Rapper selbst taucht in seinen Clips häufig in einem für den ‚real lad‘ üblichen Adidas-Trainingsanzug oder auch mal in einem Netz-T-Shirt auf. Wie bei einem echten Rapper spielen auch bei Tommy andere Symbole – Geld, Autos, Sex – eine große Rolle. Aber nicht ohne den postsowjetischen Beigeschmack: goldene Halskette und Wodka-Flasche, Plattenbauwohnung und Saufkumpanen gehören dazu.

An der Grenze zwischen Lächerlichem und Echtem machen Tommys Musikvideos besonders diejenige ZuschauerInnen neugierig, die solche Szenen in der Wirklichkeit noch nicht miterlebten. Das Aussehen des Rappers ist auch kein typisches für einen postsowjetischen pazan (‚lad‘): der Este ist ein dürrer Bursche mit einer Hipster-Frisur und einem schmalen Schnurrbart. Er ist eben… anders.

Das Anderssein bringt Tommy ausreichend Aufmerksamkeit außerhalb des postsowjetischen Raums. „post-Soviet rap“ nennt der estnische Sänger seine Musik (s. Rolling Stone Russia). Seine noch ziemlich überschaubare Videosammlung auf YouTube ist eine direkte Referenz zu seinen Erinnerungen an die Jugendjahre in Estland nach dem Zerfall der Sowjetunion. Diese inszeniert Tommy Cash ganz geschickt (aber auch eben übertrieben) durch den Fokus auf bestimmte Wiedererkennungsmerkmale des postsowjetischen kulturellen Raums.

Es ist zum Beispiel Herbst, der estnische Rapper Tommy Cash sitzt in einer nicht zur Wasserleitung angeschlossenen, durch Feuer erwärmten Badewanne, die draußen, vor einem ruinierten Haus steht.

Das Genre, in welchem Tommy Cash auftritt, ist zweifelsohne der trashige post-Soviet Rap.

Bonus: und für die es noch krasser mögen, gibt’s dieses Video von Tommy Cash und seinen russischen Kollegen von Little Big:


Bildqulle (Titelbild): © TOMM¥ €A$H via tommycashworld.com.

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