Wassili Golowanows Buch vom Kaspischen meer

Das Kaspische Meer ist Verbindung und Trennung zugleich zwischen Zentralasien, Persien, Russland und dem Kaukasus. Es ist ein Raum in dem unterschiedliche Religionen und Kulturen aufeinander treffen. Eine Region, die von hoher wirtschaftlicher Relevanz ist, sei es durch die Seidenstraße(n) oder die Förderung von Erdöl. Trotz dieser Verbindungen ist das Kaspische Meer immer noch ein weißer Fleck im Bewusstsein, nicht nur in Westeuropa.

Dieser Unerforschtheit und Unbekanntheit wollte Wassili Golowanow eigentlich eine „vollständige Geografie des Kaspischen Meers“ entgegensetzen. Das Ziel hat er nicht ganz erreicht und es „nur“ bis zum „Buch vom Kaspischen Meer“ geschafft. Nichtsdestotrotz hat das Werk schlanke 950 Seiten. Darin verarbeitet er seine Reisen nach Aserbaidschan, Dagestan, Kasachstan und den Iran – also einmal ums Meer herum. Er bietet dabei ein unglaublich breites und vor allem vielschichtiges Bild der Region.

Einmal durch Raum und Zeit

Es ist Geopoesie, wenn er in Aserbaidschan und Kasachstan von geologischen Formationen, Erdfarben und Naturspektakeln spricht. Es ist ein historisches und zeitpolitisches Buch, wenn er über Kriege und Feldzüge Russlands am Kaspischen Meer oder die Organisationsformen der Bergdörfer in Dagestan schreibt. Und es ist ein (religions-) philosophisches Werk, wenn er in Baku in der Mystik versinkt oder über die Gemeinsamkeiten von Islam und Christentum diskutiert. Schlussendlich ist es aber ein vollkommen menschliches, persönliches Werk über Liebe und Freundschaft.

Obwohl er auf seinen einzelnen Stationen nur wenige Orte und Regionen besucht, unterscheidet gerade die Tiefe seiner Beschreibungen Golowanow von vielen anderen Reiseberichten. Er ist nicht auf der Suche nach skurrilen Anekdoten, die die*den Lesende*n belustigt über diese „exotischen“ Länder schmunzeln lassen. Er will eintauchen, verstehen und erleben. Die Orte, die er besucht sucht er umfassend zu begreifen und in den weiteren, archäologischen, geologischen oder literarischen Kontext zu setzen. So entsteht ein monumentales Werk, das man trotzdem nur behutsam und dosiert liest, um es nicht zu schnell ausgelesen zu haben.

Wassili Golowanow ist am 13. April 2021 im Alter von 60 Jahren an einer schweren Krankheit verstorben. Zu den genauen Umständen möchten sich seiner Familienangehörige, Freund*innen und Kolleg*innen nicht äußern.

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Buchcover © Matthes & Seitz Berlin
Foto von Golowanow © Philologist

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