Die 7 osTraum-DEFA-filme

Im 20. Jahrhundert hat der Spielfilm als Medium zur Unterhaltung und zur „education of the masses“ immer mehr an Bedeutung gewonnen. In der DDR hat die „DEFA“, die Deutsche Film-AG, diese Aufgabe übernommen und als staatseigenes Unternehmen zahlreiche, darunter viele beliebte und erfolgreiche, Filme produziert. In ihrer Schaffenszeit sind etwa 700 Spielfilme in den DEFA-Studios in Potsdam-Babelsberg entstanden. Wir haben eine Auswahl für euch zusammengestellt. 

7. Ehe im Schatten (1947)

Die jüdische Schauspielerin Elisabeth und ihr Ehemann Hans beobachten mit Sorge die zunehmende Verfolgung von jüdischen Menschen im NS-Staat. Als der Druck auf das Paar immer größer und die Gefahr der Verschleppung Elisabeths immer realer wird, gibt es für sie nur noch einen möglichen Ausweg.

6. Das Kaninchen bin ich (1965)

Die 19 Jahre alte Ostberlinerin Maria verliebt sich in einen verheirateten Richter und beginnt mit ihm eine Affäre. Zu dem Zeitpunkt ahnt sie nicht, dass er der Richter ist, der ihren Bruder in einem intransparenten Gerichtsprozess zu einer Haftstrafe verurteilt hat. Ob diese komplizierte Konstellation gut gehen kann? 

„Das Kaninchen bin ich“ wurde nicht zur Uraufführung zugelassen, da der Film sozialistische Ideale, wie z.B. die Chance auf den sozialen Aufstieg und das Rechtssystem der DDR, anzweifelt. Das Verbot des Films hat Spuren hinterlassen, alle in der DDR verbotenen Filme wurden „Kaninchenfilme“ genannt. 

5. Lots Weib (1965)

Wie kommst du als Frau, die sich ein Leben voller Liebe wünscht, aus einer unglücklichen Ehe heraus? Wenn die fehlende Liebe als Scheidungsgrund nicht ausreicht? Insbesondere, wenn dein Ehemann Offizier bei der Marine ist und sich eine Scheidung „ohne Grund“ einfach nicht gehört? Und was ist mit den Kindern? 

Die Geschichte der Lehrerin Katrin Lot, die trotz aller Herausforderungen zu einem guten Ende findet, die in dem Film erzählt wird zeigt, dass das sozialistische Ideal und die Realität oft voneinander entfernt waren, wenn es zum Beispiel um Gleichheit der Geschlechter und Selbstbestimmung in der Ehe ging. 

4. Ich war Neunzehn (1968) 

„Ich war Neunzehn“ erzählt die Geschichte eines jungen russischen Soldaten, dessen Eltern mit ihm im Kindesalter aus Deutschland emigriert sind. Kurz vor dem Ende des Krieges kommt er als Leutnant der sowjetischen Truppen nach Deutschland. Gemischt mit Filmmaterial, das die Verbrechen des Nationalsozialismus an sowjetischen Bürger*innen dokumentiert, zeigt der Film unterschiedliche Begegnungen des jungen Soldaten mit Deutschen, die seine Beziehung zu Deutschland herausfordern und verändern. 

3. Solo Sunny (1980)

Die junge, talentierte „Sunny“ will als Sängerin in der DDR der 1980er Jahre Karriere machen. Ihr selbstbestimmtes Auftreten kommt nicht bei jedem gut an, sodass doch nicht alles nach ihrem Plan verläuft. „Solo Sunny“ ist der letzte Film, den der bekannte Regisseur Konrad Wolf vor seinem Tod gedreht hat. 

Achtung, ein Ohrwurm von Sunnys Song ist vorprogrammiert! 

2. Die Verlobte (1980)

Der Spielfilm handelt von der Kommunistin Hella in einem Zuchthaus, unter gewaltbereiten Kriminellen, während sich der zweite Weltkrieg anbahnt. Während ihrer langjährigen, traumatisierenden Haft hält sie die Beziehung zu ihrem Verlobten bei Kräften. Genauso gibt ihr die Hoffnung auf die Befreiung durch die Alliierten Kraft zum Leben, obwohl sich Zweifel in ihr wecken, als sie vom deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt erfährt.

1. Coming Out (1989) 

Coming Out ist der einzige DEFA-Spielfilm, der eine queere Thematik in den Mittelpunkt stellt. In der Liebesgeschichte geht es um Philipp, den eine Begegnung mit seiner Jugendliebe Jakob dazu bringt, sich mit seiner Sexualität auseinander zu setzen. Seine Freundin und sein Umfeld bekommen davon zuerst nichts mit. Wird es Philipp gelingen, zu sich selbst und seiner Liebe zu stehen? 

Wenn wir die DEFA-Filme heute anschauen, können wir viel über die Lebensrealität und den Alltag in der DDR lernen. Dabei muss aber beachtet werden, dass die Filme inhaltlichen und formalen Normen und der staatlichen Zensur unterlagen, weswegen sie oft eine ideologische Note beinhalten. Das bedeutet, dass das Endergebnis nicht unbedingt mit der Vorstellung der Künstler*innen übereinstimmte und mit Vorsicht zu genießen ist. 

Dennoch sollte die technische und künstlerische Leistung der Filme und damit das Erbe der DEFA anerkannt und gewürdigt werden und die entsprechende Wertschätzung bekommen. Dieser Aufgabe widmet sich die DEFA-Stiftung, indem sie immer mehr DEFA-Filme digitalisiert und somit für uns und jüngere Generationen zugänglich macht. 


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Titelbild aus „Das Kaninchen bin ich“ (1965) © DEFA-Stiftung

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