Die 7 berühmten Armenier*innen

Schon mal in Armenien gewesen? Nein? Schade. Zugegeben, das kaukasische Land steht nicht auf der TOP 10 Liste von Lifestyle- und Reiseblogger*innen. Doch die armenische Kultur macht einen bedeutenden Teil der globalen und europäischen (Kultur-)Geschichte aus. Neben Israel und Georgien kann das Land zu einer der urchristlichen Kulturen hinzugezählt werden. Während im 1. – 2. Jahrhundert nach Christus in Europa noch überwiegend Naturgottheiten angebetet wurden, gab es in Armenien bereits das Christentum. Die Armenier*innen sollen sogar im 3. – 4. Jahrhundert das erste Volk in der Welt gewesen sein, das komplett zum Christentum konvertiert ist bzw. wurde.

In diesem osTraum Artikel soll es aber nicht um das Christentum gehen. Das ist ein sehr komplexes Thema, das in einem Listicle nicht abgehandelt werden kann. osTraum geht es um Armenier*innen und ihre Kultur. Ihr habt noch nichts über die armenische Kultur gehört? osTraum ist einer anderen Meinung. Sicherlich kennt jede*r von euch mindestens einen armenischen Promi, ohne es selbst zu wissen. osTraum möchte euch also auf die Sprünge helfen und euch 7 berühmte Armenier*innen vorstellen, die oft gar nicht aus Armenien kommen. Armenien ist eins der wenigen Länder, bei denen mehr Menschen im Ausland als im Inland leben. Heute leben in Armenien etwa 3 Mio. Menschen. Im Ausland leben etwa 7 bis 9 Mio. Armenier*innen. Die starke und konstante Auswanderung hat vor allem außenpolitische Gründe. Viele Nachbarstaaten Armeniens, z.B. Aserbaidschan und die Türkei, sind muslimisch geprägt und so gibt es schon seit vielen Jahrhunderten die Bestrebung einer Assimilation der Armenier*innen und ihrer Kultur in die benachbarten Kulturen und Religionen. Viele mussten deshalb ihre Heimat verlassen und das sind die wohl Berühmtesten von ihnen.

7. System of a Down (Armenien/Libanon/USA)

Wir fangen ganz bewusst mit dieser Band an. Vielleicht gehören sie eher auf die 2. oder gar die 1. Platzierung, doch wir wollten mit System of a Down zeigen, welchen unglaublich großen Einfluss Armenier*innen heute in der globalen Kultur (zumindest in der Nordhälfte unserer Erdkugel) haben. Serj Tankian, Daron Malakian, Shavarsh Odadjian und Ontronik Khachaturian lernten sich Anfang der 1990-er Jahre an einer armenischen Privatschule in Kalifornien kennen. Die Geburtsorte der Musiker spiegeln auch im gewissen Sinne die neueste armenische Geschichte wider – Jerewan, Beirut und Los Angeles. Vor allem in den 1990-ern und 2000-ern waren sie Ikonen ganzer Generationen im damals neuen Genre Nu Metal. Heute gehen sie manchmal eigene künstlerische Wege, doch ihre gemeinsamen Hits sind und bleiben ein Ohrwurm, z.B. ihr Lied „Chop Suey!“ hat 1 Milliarde Views bei YouTube geknackt:

6. Andre Kirk Agassi (Armenien/Iran/Ukraine/USA)

Tennis-Begeisterte werden Agassi kennen. In den Jahren 1986 – 2006 wurde er zu einem der wenigen Spieler der Sport-Geschichte, die alle vier Grand Slams gewonnen haben – Wimbledon, US Open, French Open und Australian Open. 1996 wurde er zudem Olympiasieger. Andres Vater Emanoul Aghassian wurde im Iran geboren und wurde dort zum Profi-Boxer. Anfang 1950er Jahre zog er seinem Bruder in die USA nach, wo er Elizabeth Dudley – die zukünftige Mutter von Andre – kennenlernte. Aghassians Familie zog erst aus Armenien in die Ukraine um und floh dann von der Oktoberrevolution 1918 in den Iran. Die Aghassian-Familie kürzte ihren Namen zu Agassi bereits zu dieser Zeit und nicht erst in den USA. Der Grund dafür war der Genozid an Armenier*innen im Osmanischen Reich. Durch den entarmenisierten Namen sollte die Familie nicht mehr als Armenier*innen auffallen. Der Mittelname des bekanntesten Familienvertreters – Andre Kirk Agassi – geht auf den US-amerikanisch-armenischen Hotel-, Film- und Autoindustrieunternehmer Kerkor Kerkorian zurück. Der Vater Andres soll den Milliardär einmal getroffen haben und ihm zu Ehren seinem Sohn den zweiten Namen gegeben haben. 2001 heiratete Agassi die nicht weniger bekannte deutsche Tennisspielerin Steffi Graf, die ebenfalls Olympiasiegerin und 22-fache Grand Slam Gewinnerin ist.

5. John Hodian (Armenien/USA/Europa)

Hodian ist vielleicht in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt, doch in der Welt der modernen klassischen Musik ist er ein Superstar. Dabei reicht sein Repertoire von Klassik bis Rap, von Folk bis Jazz, von Rock bis Soundtracks und Avant-Garde Theater. Über seine Kindheit in den USA sagt der Komponist und Musiker: „I grew up in a tight knit Armenian family and heard nothing but Armenian music on my dads stereo before I was nine“ (Quelle). Der Bezug zu ethnischen (vor allem armenischen) Narrativen in der Musik stellt bis heute eins der wichtigsten Aspekte seiner Werke dar. Hodian ist spätestens seit der Mitte der 2010er Jahre auch ein sehr beliebter Gast auf europäischen Bühnen und gibt mit seinem Naghash Ensemble immer wieder Konzerte in Deutschland. Nun genug von Worten, jetzt lassen wir endlich die Musik für ihn sprechen:

4. Tigran Hamasian (Armenien/USA/Armenien)

Auch Hamasian ist in der Welt der Musik zu Hause. Sein Hauptinstrument ist Klavier und sein Genre ist Jazz. Er geht aber auch gern entlang musikalischer Grenzen und lässt Progressive Rock und Armenischen Folk Teil seines virtuosen Spiels werden. Als Jugendlicher träumte er jedoch auch davon, E-Gitarre in einer Thrash Metal Band zu spielen. Er könnte auch der „Armenische Mozart“ sein – mit 3 Jahren probiert er sich daheim am Klavier, mit 6 geht er in die Musikschule und noch vor seinem 10. Lebensjahr beginnt er akademischen Musikunterricht zu besuchen. Als er etwa 16 war, zog seine Familie aus Jerewan nach Kalifornien. Mittlerweile kehrte der Musiker wieder nach Armenien zurück. Heute ist der 33-jährige Jazzman ein Preisträger diverser nationaler und internationaler Preise und hat zehn Alben rausgebracht. Sein neuestes Album „The Call Within“ erschien bei Nonesuch Records – einem Sub-Label von Warner Music Group, der auch AC/DC, Björk und Serj Tankian (System of a Down) angehören.

3. Kardashian (Armenien/Georgien/Russland/Türkei/USA)

Nein, es geht nicht um Kim Kardashian, zumindest nicht vordergründig. Die Familie Kardashian stammte ursprünglich aus der politisch umstrittenen Region Kars. Bis zur Oktoberrevolution gehörte das Gebiet dem Russischen Zarenreich an, danach teilwiese Armenien und teilweise Georgien, bis schließlich 1921 die Türkei das Gebiet erobert und die junge Sowjetunion ihren Anspruch auf das Gebiet zugunsten der Türkei zurückhält. Ungefähr zu dieser Zeit politisch-militärischen Wirrwarrs ist die Familie Kardashian in die USA ausgewandert. In der Neuen Welt erfüllte sich die Familie den Amerikanischen Traum. Während Arthur Kardashian – der Begründer der Dynastie – noch bei der Müllentsorgung von Los Angeles gearbeitet hat, wurde sein Sohn Robert zum Staranwalt. Sein berühmtester Fall war die Verteidigerrolle des Footballspielers und Schauspielers O. J. Simpson im Rahmen der Mordanklage an seiner Ex-Ehepartnerin und ihrem Bekannten. Simpson wurde freigesprochen. Robert Kardashian starb 2003. Seine Kinder – Kourtney, Khloé, Rob und Kim Kardashian machten den Namen noch berühmter.

2. Garry Kasparow (Armenien/Aserbaidschan/Russland/USA/Lettland/Kroatien)

Garry könnte ein Vorzeigebeispiel eines sowjetischen Intellektuellen werden. Geboren in einer jüdisch-armenischen Familie in Baku, identifizierte er sich früh mit der russischen Sprache und Kultur. Bereits mit fünf Jahren entdeckten seine Eltern seine Affinität und Interesse am Schachspiel und förderten den Jungen. Mit 7 Jahren nahm er am Schachklub des örtlichen Pionierhauses teil. Als Garry 12 wurde, starb sein Vater und das ist wahrscheinlich der Moment gewesen, nach dem der Junge nie mehr ein homo sovieticus werden konnte. Seine Mutter gab ihm ihren Mädchennamen – Kasparow. Davor trug er den Namen seines Vaters – Weinstein. Seine Mutter Klara begründete es damit, dass der Junge es mit einem nicht-jüdischen Namen später leichter haben wird. 1990, als er bereits zweimal Meister der UdSSR und einmal Weltmeister ist, verlässt er mit seiner Familie seine Heimatstadt nach den Pogromen an der armenischen Bevölkerung Aserbaidschans. Auch wenn zuvor seine liberal-politischen Ansichten eher auf der theoretischen Ebene blieben, wurde er spätestens nach diesem Trauma politisch aktiv und setzte sich für die Demokratisierung der UdSSR und später Russlands ein. Er ist heute einer der aktivsten und einflussreichsten Opponenten der Regierung Putins. Seit der Jahrhundertwende ist er an keinen bestimmten Ort gebunden und lebt zwischen Russland, USA, Lettland und Kroatien. Er ist kroatischer Staatsbürger. Die neuesten Meldungen über ihn betreffen aber die Politik mittelbar. Kasparow war als Schachberater beim Dreh vom The Queen’s Gambit aktiv. Alle Schachpartien in der Serie entstammen seinem Vorstellungsvermögen (Quelle) und wurden von der globalen Schachgemeinschaft gelobt.

1. Cher (USA)

Cherilyn Sarkisian ist der bürgerliche Name einer der bekanntesten Pop Sänger*innen des 20. Jahrhunderts. Das Treppchen der Nu.1 des Pop können mit ihr wohl nur Madonna und Michael Jackson teilen. Wie auch die meisten dieses Rankings ist sie ein Beispiel für den American Dream. Als Tochter eines LKW-Fahrers und einer Tänzerin brach sie mit 16 die Schule ab und ging ohne ihre Eltern nach Los Angeles. Dort machte sie alles für ihren Traum von Musik und Film. Über das Striptease-Milieu knüpfte sie die ersten Kontakte zu Insidern der Traumfabrik und wurde zu einem Dienstmädchen eines Musikproduzenten, der ihr auch zu ihrer ersten Single verhalf. Mit nur einem Ziel vor Augen kämpfte sie sich durch. Nach etwa 15 Jahren gelang ihr der Durchbruch zur weltweiten Bekanntheit Ende der 1970er – Anfang 1980er Jahre. Heute kann sie auf fast 30 Alben zurückblicken und ist einer der wenigen Menschen im globalen Showbusiness, die alle vier wichtigsten Auszeichnungen der Branche erhalten haben – Oscar, Grammy, Emmy und Tony.


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Albumcover in der Titelgrafik © Flickr

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