Krieg in der Ukraine: Serhij Zhadans „Internat“

Der Konflikt in der Ost-Ukraine ist festgefahren und gefühlt erstarrt. Die Menschen müssen sich an die neue „Balance“ gewöhnen. Dass es auch eine heiße und dynamische Phase gab, in der Territorien und Städte besetzt oder aufgegeben wurden, Soldaten sich vor oder zurückgezogen haben und Menschen geflüchtet oder geblieben sind, ist nunmehr Geschichte.

In seinem Werk „Internat“ berichtet Serhij Zhadan über die heiße Phase des Krieges. Pascha – ein nicht mehr ganz junger Lehrer – macht sich auf den Weg seinen 13-jährigen Neffen aus dem Internat nach Hause zu holen. Die Herausforderung ist nur, dass die Stadt, in der das Internat liegt, umkämpft und kurz vor dem Übergang in die Hände einer anderen staatsähnlichen Macht ist.

Wie auch in anderen Büchern von Zhadan ist der Protagonist ein Anti-Held – jemand, der sich für große Politik nicht interessiert, sich nicht einmischt und von seiner Umwelt am liebsten allein gelassen werden will. Doch während es in Zhadans anderen Werken eher in verrückten Alkohol-Trips endet, folgen hier drei Tage (An-)Spannung. „Internat“ ist ein Anti-Kriegsroman, ohne, das es wirklich vom Krieg handelt. Es ist kein Soldatenbericht aus dem Schützengraben, sondern die Perspektive eines Zivilisten. Die Ungewissheit, Willkür und Angst prägen dabei seine Wahrnehmung, Denkweise und Stimmung. Das Ganze so atmosphärisch dicht geschrieben wie „The Road“ von Cormac McCarthy, mit dem Unterschied, dass es sich hier nicht um die zukünftige Apokalypse handelt, sondern um etwas, das sich tatsächlich so oder ähnlich vor nicht allzu langer Zeit in einem nicht allzu fernen Land – der Ukraine – abgespielt hat.


Serhij Zhadan

Internat

2018 Suhrkamp


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Buchcover © Suhrkamp

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