„Soviet Textiles“ von P. J. Kachurin: Utopische textildesigns

Eine experimentale Epoche für das sowjetische Textildesign, das nicht mal ein Jahrzehnt dauerte. Ein Zusammenspiel von Propaganda, Kunst und Massenproduktion. Pamela Jill Kachurin zeigt in „Soviet Textiles. Designing the Modern Utopia“ wertvolle Designs, die zwischen 1927 und 1933 für die Textilindustrie in der Sowjetunion entworfen wurden. Auf knapp 100 Seiten erzählt die Autorin über den Kontext des einzigartigen Experiments und zeigt die farbenfrohen und innovativen thematischen Textildesigns, unter anderem von solchen Künstlern wie Sergei Burylin, Varvara Stepanova, Raisa Matveeva, Lyubov Silich, Zinaida Markina, Marya Anufrieva und Elizaveta Nikitina.

Während der Industrialisierung der Sowjetunion glaubten die jungen Textildesigner durch die Massenfertigung der thematischen Designs den Entstehungsprozess des sowjetischen Bürgers zu beschleunigen. Die Symbole der Industrialisierung wie Lokomotive, Fabriken, Turbinen und Traktoren sollten den Weg zum Herzen des sowjetischen Menschen mit Hilfe von Alltagsobjekten finden. Die originellen Motive und Muster, die für diesen Zweck designed wurden, sind an sich selbst die Kunststücke. Nichtsdestotrotz haben sie nicht geschafft, die Anerkennung der Konsument*innen in der frühen Sowjetunion zu gewinnen. „While Soviet citizens may have tolerated the hyperbolic messages they encountered in posters, literature, and films about Soviet progress, perhaps hydroelectric damns on their pillowcases was too much to bear“, schreibt P. J. Kachurin.

Trotz der verlorenen Aktualität der symbolischen thematischen Textildesigns aus den sowjetischen späten 1920ern und frühen 1930ern. lohnt sich der Einblick in das Bildband für Inspirationssuche, aus Wissensgier oder purer Nostalgie auf jeden Fall. Denn viele Designs scheinen zu Unrecht in Vergessenheit geraten zu sein und wollen nochmal bestaunt oder sogar wieder umgesetzt werden.


Pamela Jill Kachurin

Soviet Textiles. Designing the Modern Utopia

2006 MFA Publications, Boston


Bildquelle: Eigene Aufnahmen, Buchcontent © Museum of Fine Arts, Boston

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