Katholische Kirche im polnischen Film

Dass die Pol*innen überwiegend katholisch sind, ist spätestens seit Papst Johannes Paul II weltweit bekannt. Für viele Menschen in Polen ist ihr Glaube und die damit verbundene Institution ein wichtiger Bezugspunkt im Leben. Zuletzt gab es vermehrt Anlässe zu Unmut gegenüber der katholischen Kirche und davon blieb auch der polnische Film nicht unberührt. osTraum stellt euch drei neueste polnische Filme vor, die Kirche, Religion und Glauben auf unterschiedliche Arten auf die Leinwand bringen.  

Ida (2013)

Hast du manchmal sündige gedanken? … DU solltest es versuchen, sonst ist dein Gelübde kein echter verzicht.

Polen in den 1960ern. Paweł Pawlikowskis Drama in schwarz-weiß nimmt uns mit auf eine Zeitreise in das sozialistische Polen. Wir begegnen dort der jungen Novizin Anna, die als Waisenkind im Kloster aufgewachsen ist und nun Ordensschwester werden möchte. Als letzte Aufgabe vor ihrem Gelöbnis soll sie ihre einzige lebende Verwandte kennenlernen. Wir begeben uns mit ihr und ihrer Tante Wanda auf Annas erste Reise hinaus in die reale Welt hinter den Mauern des Klosters. Die Reise wird zu einer Spurensuche nach der tragischen Geschichte ihrer Familie, denn Anna heißt eigentlich Ida und ist ein Kind jüdischer Eltern, die während der Schoah umgekommen sind. Mit ihrem Schicksal ist Ida kein Einzelfall in Polen während des 2. Weltkrieges. Das vielschichtige Bild Nachkriegsgspolens, gepaart mit der Erzählung von Idas erster Liebe und beeindruckenden Bildern ergeben einen Film, der nicht ohne Grund 2015 den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film gewonnen hat.

Klerus (2018)

die kirche ist heilig, aber von sündigen menschen gemacht

Der Film Klerus von Wojciech Smarzowski hat in Polen und darüber hinaus für viele Furore gesorgt. Selten hört man in den ersten 10 Minuten eines Films die Frage „Ile?“ („Wie viel?“) so häufig, und damit sind wir schon mitten im Thema – sexueller Missbrauch von Kindern und Machtmissbrauch auf vielen anderen Ebenen. Die Handlung wechselt durchgehend zwischen den Leben dreier Priester, die auf unterschiedliche Weise ihre Position für ausnutzen. Wir sehen ihren unmoralischen und unchristlichen Lebensstil und können beobachten, wie sie von Korruption und Betrug Gebrauch machen. Zugleich zeigt der Film immer wieder die Opferperspektive und es stellt sich die Frage, ob diese Täter auch gleichzeitig Opfer sind? Macht und Moral ist eine Frage, die auch die Kirche in Polen dringend für sich beantworten muss. Die Handlung ist fiktiv, aber sie trifft dennoch ins Schwarze: sie zeigt – ungeschminkt und tabulos – den Machtmissbrauch in der Kirche. Da auch die echten Missbrauchsfälle in der Kirche ans Tageslicht kamen, stellt dieser Film das Vertrauen von Gläubigen zu ihrer Kirche auf eine harte Probe. 

Corpus Christi (2019)

Glaub nicht alles, was du siehst

Ein junger Mann ohne Perspektive, aber mit einem Traum: der 21-jährige Daniel kann seinen Wunsch, Priester zu werden, wegen seiner kriminellen Vergangenheit nicht verwirklichen. Impulsiv und mutig wie er ist, gibt er sich als Geistlicher aus und wird Pfarrer in einer Gemeinde, über der ein dunkler Schatten liegt. Er setzt alles daran, die zerstrittene Gemeinde zu versöhnen. 

Jan Komasas neuster Film lässt Herzen höher schlagen. Das liegt auch an der meisterhaften Schauspielleistung in der Hauptrolle: Bartosz Bielenia verzaubert uns mit seinem Charisma als Figur, die das Gegensätzliche vereint – die Lüge im Priestergewand, die Frieden in eine zerrissene Gemeinde bringt. Der Film, dessen Handlung auf einer wahren Geschichte basiert, erzählt über Wut, Güte und verlorene Träume. Er macht sichtbar, wie böse und unversöhnlich der Mensch sein kann, wenn er verletzt ist.


Bildquellen (Titelbild): Ida © Solopan/Warner Music Poland; Klerus © Polish Film Club; Corpus Christi © Imdb


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