Filme im Dreieck: das NFF 2018

Der Fluss Neiße ist über 200 km lang. Er ist auch die natürliche Grenze zwischen Deutschland und Polen, die ebenfalls ein Stück weit in die Tschechische Republik reingeht. An dieser Stelle – in dem Länderdreieck – entstand vor 15 Jahren das Neisse Film Festival. Das osTraum-Team war dieses Jahr auch dabei und berichtet über das grenzüberschreitende Event.

Das Festival lief vom 15. bis zum 20. Mai in verschiedenen Orten des Länderdreiecks auf allen drei Seiten – in Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik. Von Zittau aus fuhren wir nach Großhennersdorf, wo auch das organisatorische und ideologische Zentrum des Festivals war – der Kunstbauerkino e.V. im Kulturcafé Alte Bäckerei. Mit über 100 Filmen präsentierten sich an diesen fünf Tagen Filmemacher*innen aus den drei Nachbarländern.

 

Neben dem Wettbewerbsprogramm, das aus den Kategorien Spiel-, Dokumentar-, Kurzfilm und Spezialpreis bestand, gab es auch Sonderreihen Fokus 1968, Polski Blues, České Panorama, Deutsches Fenster sowie Retrospektive Christian Petzold, Regionalia, World Tour, 70mm-Film und Kinderkino. Abgesehen von dem reichhaltigen Filmangebot konnten die Besucher*innen Musik und Kunst aus der Region genießen und unter anderem an Stadtführungen entlang der Filmkulissen teilnehmen. Filmkulissen – fragt ihr? Ja, in Görliwood – also unter Filmlaien Görlitz genannt – haben auch schon mal Quentin Tarantino und Wes Anderson gedreht.

 

Im Filmprogramm gab es für jede*n etwas: von der Geschichte eines polnischen Gastarbeiters in Holland („Cicha Noc“) bis zu einem Liebesdreieck tschechischer Hobby-Musiker*innen („Kvarteto“). Insbesondere aktuelle politische Themen spielten eine große Rolle beim Filmfestival, z.B. „Montags in Dresden“ über Pegida-Anhänger und „Až přijde válka“ über eine paramilitärische rechte Gruppierung und die Nachlässigkeit der Exekutiven in der Slowakei.

Am vorletzten Tag des Festivals standen die Gewinner fest: „Nina“ von Juraj Lehotský (Bester Spielfilm), „Familienleben“ von Rosa Hannah Ziegler (Bester Dokumentarfilm), „Him & Her“ von Nathalie Lamb (Bester Kurzfilm) und „Najbrzydszy samochód świata“ (Das hässlichste Auto der Welt) von Grzegorz Szczepaniak. Genaues über die Preisträger könnt ihr hier nachlesen.

 

Aber vor allem die Organisator*innen des Festivals verdienen eine Auszeichnung. Denn es ist nicht nur das einzige trinationale Filmfest Deutschlands, sondern auch eine einzigartige Gelegenheit, mit Filmschaffenden und -begeisterten außerhalb von Großstädten in ein offenes Gespräch zu kommen. osTraum stellt fest – das NFF ist zu einer unverzichtbaren Institution für die Region geworden.

 

Der gravierende Wegzug von Menschen aus der Region, die anderswo nach Arbeit und Lebensglück gesucht haben, hat auf den Städten eine Spur hinterlassen. Leerstehende Häuser sind mancherorts nicht zu übersehen, doch an anderen Orten wiederum fällt es nicht sofort ins Auge. Das NFF leistet nahezu Unglaubliches – es belebt die Region wieder und macht sie für fünf Tage zu einem kulturellen Highlight, zu dem auch junges Publikum aus Berlin, Leipzig und Dresden anreist.

Das NFF ist ein Impuls und eine Inspiration nicht nur für die Lausitz und das Länderdreieck, sondern auch für andere Regionen ein Beispiel dafür, wie zeitgemäße Kultur auch außerhalb der Großstadt funktionieren kann.

Unser Favorit aus dem Programm:


Bildquellen: Alle Bilder © osTraum


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