The Tribe vs. Lenas Klasse: True Story im ukrainischen und russischen Film

Homo homini lupus est. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Das Leben unter Menschen = das Leben unter Tieren? Ist der Mensch ein Tier? Wer sagt uns, wie wir handeln müssen? Der Gott? Der Instinkt? Die Vernunft? Wie viel wert sind für uns die anderen Menschen? Soll nur der Stärkere überleben?

2014 zeigten in ihren Filmen zwei Regisseure aus der Ukraine und Russland das alltägliche Leben von Jugendlichen mit Behinderungen und gaben somit der in den beiden Ländern stark marginalisierten Gruppe eine Stimme. „Lenas Klasse“ (russ.: Класс коррекции) von Ivan Tverdovsky und „The Tribe“ (ukr.: Плем’я) von Myroslav Slaboshpytskyi sprechen über das gleiche Thema, aber auf eine unterschiedliche Weise.

Neu sein ist hart. Die unausgesprochenen Regeln des „Rudels“ entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Von der ersten Sekunde holt „The Tribe“ den*die Zuschauer*in in die Handlung rein. Wir folgen der Hauptfigur Sergej und erleben so den Alltag der gehörlosen Jugendlichen in einem ukrainischen Internat mit. Kein Wort wird hier gesagt. Das ist aber ohnehin nicht nötig. Grausam, schockierend und brutal wirkt die hiesige Realität. Die Regeln der Gang sind das Gesetz im Internat. Wer sie bricht, muss mit schweren Folgen rechnen. Der Neuling Sergej nimmt das in Kauf und übt Vergeltung.

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Die Regeln der Gang in „The Tribe“ (Bildquelle: © Плем’я / Гармата Фильм Продакшн)

Auch am Rollstuhl gefesselte Lena ist neu in der Sonderklasse. Sie ist frech, motiviert und gewinnt sofort Sympathien ihrer Mitschüler*innen sowie die Liebe des Klassenkameraden Anton. Was am Anfang aber als ein Wunder aussieht, ändert sich mit der Zeit. Neid und Hass herrschen in der Klasse. Die Beziehung mit Anton wird für Lena zu einem Verhängnis. Ihre Klasse gibt ihr schnell zu verstehen: Das Leben ist kein Zuckerschlecken.

Trotz der ähnlichen Thematik sind allerdings „The Tribe“ und „Lenas Klasse“ sehr stark von einander entfernt. Vor allem die nicht professionellen Schauspieler*innen und der dokumentarische Charakter machen den Film von Slaboshpytskyi echt und tiefsinnig. Dagegen fällt beim Anschauen des russischen Werks die Unnatürlichkeit der Handlung sofort in die Augen. „The Tribe“ bringt uns auf das gleiche Niveau mit den Darsteller*innen, während „Lenas Klasse“ uns im Gegenteil von ihnen distanziert.

„Lenas Klasse“ und „The Tribe“ sind soziale Dramen aus Osteuropa pur – schwermütig und existenziell. Die Premiere der beiden Filmen im gleichen Jahr scheint ein Zeichen für den Bruch der Schweigepflicht zu sein. Es fehlt am vernünftigen Umgang mit der angesprochenen Thematik, denn sowohl die Barrierefreiheit als auch die nicht stereotypisierte Darstellung von Menschen mit Behinderungen kommen sowohl in der Ukraine als auch in Russland noch schwer an.


Bildquelle (Titelbild): © Класс коррекции / Новые люди

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