Butter + Brot = Butterbrot: osTraum im Gespräch über zeitgenössische Kunst

Alexandra Goloborodko und Aleksandra Yurieva-Civjane sind zwei Kuratorinnen, die die Initiative „International Cultural Project BUTTERBROT“ ins Leben gerufen haben. Der Fokus von „Butterbrot“ liegt auf der zeitgenössischen Kunst aus Osteuropa, den deutsch-russischen Beziehungen und dem interkulturellen Austausch. Zuletzt konnten sich die Berliner der Ausstellung „Koordinatensystem. Neue städtische Realität“ in CLB Berlin erfreuen. Zusammen mit Partizaning organisierte das „Butterbrot“-Kollektiv die Ausstellung. osTraum sprach mit den beiden in Deutschland lebenden Kuratorinnen über das Brot und die Butter, die Verbindung zwischen Berlin und russischer Kunst sowie über ihre Zukunftspläne.

osTraum: Was symbolisiert der Name des Projekts “Butterbrot”, welche Idee verbindet ihre kuratorischen Projekte?

Alexandra Goloborodko (weiter А. Goloborodko): „Butterbrot“ ist ein deutsches Wort, das auch aktiv im Russischen gebraucht wird. Während dieses Wort im Deutschen fürs Brot mit Butter steht, kann es im Russischen die Kombination unterschiedlicher Komponente bedeuten. In unserem Projekt experimentieren wir mit den Kombinationen von Kunstrichtungen und Kunstdisziplinen.

Den Projekten liegen unterschiedliche Ideen zugrunde, aber das Hauptziel ist immer eins – die Popularisierung der zeitgenössischen Kunst Russlands und Deutschlands sowie die Ermöglichung des Kulturdialogs zwischen diesen zwei Ländern. In unserer Tätigkeit versuchen wir die Grenzen zu überwinden, egal ob disziplinäre und geographische oder die Grenzen der Communities.

Aleksandra Yurieva-Civjane (weiter A. Yurieva-Civjane): Das Brot und die Butter als unabdingbare und fundamentale Lebensmittel und Sättigungsmittel, die einfach und für alle verständlich sind, aber gleichzeitig auch eine uneingeschränkte Menge an Variationen beinhalten, ebenso wie Kunst und Kultur. Das Wort, das sowohl im Russischen als auch im Deutschen gebraucht wird.

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A. Goloborodko und A. Yurieva-Civjane auf der Ausstellungseröffnung „Neue städtische Realität“ (2017), CLB Berlin ©Fabio Dondero

osTraum: Ruberoid Festival, „Koordinatensystem“, „Russland vs. Russland“ – Berlin ist häufig ein zentraler Ort für eure Kunstprojekte. Wie ist Berlin mit der russischen Kunst und der Kunst der russischsprachigen Künstler_innen in Deutschland verbunden?

А. Goloborodko und A. Yurieva-Civjane: Wir hatten unsere Projekttätigkeit in Berlin angefangen und mittlerweile ein gewisses Netzwerk an Partnern entwickelt, was uns auch die Möglichkeit zur Realisierung unserer Projekte gab. Berlin ist ein Ort, wo die kritische Meinung aktiv ausgesprochen wird. Hier gibt es viele Leute, die sich für Russland und seine aktuelle Situation interessieren sowie bereit fürs Dialog sind. Wir versuchen ebenfalls die Wahrnehmung dessen, was in Russland gerade geschieht, durch die Diskussionen mit Expert_innen und die Demonstration eines breiten Spektrums an Kunstprojekten zu differenzieren.

In Berlin existiert eine große Community von russischen Künstler_innen, aber für uns ist die Zusammenarbeit mit denjenigen Künstler_innen viel wichtiger, die in Russland und in den Ländern Osteuropas wohnhaft sind.

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Auf den Fotos in der Diashow: Alexandra Goloborodko und Alexander Formozov, Aleksandra Yurieva-Civjane, ZIP Art Group, Künstler Eldar Ganeev

osTraum: Das Thema des Stadtraums ist zentral für das Projekt „Koordinatensystem“. Was Ihrer Ansicht nach haben russische und deutsche urban art gemeinsam und was unterscheidet sie? Warum ist es wichtig, dem Berliner, deutschen sowie internationalen Publikum die neue „Stadtrealität“ Russlands zu zeigen?

A. Yurieva-Civjane: Ich sehe da keine prinzipiellen Unterschiede. Dazu kommt auch noch der Umstand, dass viele street artists heute in unterschiedlichen Städten arbeiten. Natürlich hat jede Umgebung ihre historischen, politischen und rechtlichen Besonderheiten, aber das beeinflusst den Kunstprozess und die Produktionsform nicht so stark.

osTraum: Inwieweit stellt für Sie die Kunst aus Zentral- und Osteuropa allgemein (abgesehen von Russland) ein Interesse dar? Haben Sie bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Künstler_innen aus diesem kulturellen Raum?

А. Goloborodko: Aktuell weiten wir unseren geographischen Fokus aus, im Rahmen unseres letzten Projekts „Koordinatensystem“ haben wir mit den Teilnehmer_innen aus Ost-, Zentral- und Südosteuropa zusammengearbeitet.

A. Yurieva-Civjane: Wir hatten die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Künstler_innen aus sehr unterschiedlichen Ländern, das ist immer spannend. Aber wenn wir über einen gewissen konzeptuellen Rahmen denken, ist mehr Klarheit und Konzentration durchaus gewollt, deswegen versuchen wir in die Tiefe und nicht in die Breite zu gehen.

osTraum: Wer hat mehr Interesse an der Unterstützung / Finanzierung eurer Projekte: russische offizielle Institutionen und Organisationen (zum Beispiel das Ministerium der Kultur der RF oder die Stiftung “Russkij Mir”) oder die deutschen Stiftungen und Organisationen, und warum?

А. Goloborodko: Unsere Projekte wurden von der Heinrich-Böll-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und dem Goethe Institut unterstützt. Unser Partner ist die gemeinnützige Organisation Mitost. In Russland haben wir einmal die Förderung vom Moskauer Kulturamt für ein Festival in Moskau bekommen, aber mehr Erfahrung mit der russischen Finanzierung haben wir nicht.

A. Yurieva-Civjane: In Deutschland sind die Institute der Finanzierung von unabhängigen Projekten und Förderungsprogramme eigentlich mehr entwickelt.

osTraum: An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

А. Goloborodko und A. Yurieva-Civjane: Jetzt arbeiten wir an einer Performance, die wir im Rahmen der Moskauer Biennale der Zeitgenössischen Kunst planen, und an einem Projekt zum Thema des kulturellen und individuellen Gedächtnisses in Kaliningrad. Wir bereiten ebenfalls die Texte unter dem Arbeitstitel “Reclaim, Recode, Reinvent Urban Art and Activism in Eastern Europe” als Bilanz des Projekts „Koordinatensystem“ zur Veröffentlichung im Februar 2018 vor. Im Frühjar planen wir eine Reihe an den Vorstellungen über dieses Buch. Die erste wird am 20. Februar in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin stattfinden. Über unsere aktuellen Projekte erfahrt ihr immer auf unserer Website www.butterbrot-art.com und der Facebook-Seite – International Cultural Project Butterbrot.


Das Interview auf Russisch gibt es auch: Interview Butterbrot.

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Bildquelle (Titelbild): Teilnehmer_innen des Forums Koordinatensystem (2017), Betahaus Berlin © Fabio Dondero

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