Řezník: der Fleischer und sein Strick

Strangulační rýha = /strangulatschni richa/ = Strangulierspur – so heißt das neue Album des tschechischen Rappers Řezník (de.: Fleischer). Wen erwürgt er? Die Gesellschaft? Oder jemanden anderen? Warum? Diesen Fragen geht osTraum nach.
IMG_0237

15 Lieder mit größtenteils klassisch dunklem Horrorcore-Sound und mittelschnellen Beats. In der Kombination mit einem rauen Sprechgesang ergibt sich eine ausgewogene Mischung für diejenigen, die es vertragen, denn Řezníks Werke sind schwer. Das ist aber auch der Sinn dahinter – die morbide Seite unserer Gesellschaft mit einer entsprechenden musikalischen Begleitung zu präsentieren. Was ist aber mit „unserer Gesellschaft“ gemeint? Die Bedeutung hängt vom Lied ab. Mal ist es die Menschheit in ihrer Gesamtheit, mal unsere westliche Kultur, mal ist es auch speziell Prag und die Tschechische Republik. Es gehört zum guten Stil im Horrorcore, Themen aufzugreifen, die für die anderen ein Tabu oder zumindest unangenehm sind.

IMG_0239
In dem Konzeptalbum Strangulierspur geht es überwiegend um patriarchal motivierte Gewalt an Frauen. Hauptsächlich um sexuelle und physische Gewalt. Kritisiert Řezník die Erscheinung? Der Künstler stellt sie dar und das nicht nur in seiner Musik, sondern auch fotografisch in dem beiliegenden Booklet durch nachgestellte(?) Szenen des Verbrechens an Frauen mit allem, was dazu gehört, – entblößte Leichen und Dreck im schwarz-weiß Modus. Musikalisch und graphisch ist es ein schockierender Impuls, der zum Nachdenken bringen soll. Das Verbrechen so wie es ist – ohne kriminalistische Bürokratie und trockene journalistische Formulierungen.

Auch andere Themen werden auf dem Album behandelt, z.B. die postsozialistische Mentalität vieler Menschen, die sich durch „früher war alles besser“ ausdrücken läßt (Lied 9 „Každej Komouš“), und, so hart es auch ist, krebskranke Kinder und vor allem die geistigen Zustände ihrer Eltern (Lied 15 „Dětský Rakve“).

Řezník ist unbequem für die Gesellschaft. Seine Texte sind unbequem für die Gesellschaft. Doch das ist es, was die Kunst ausmacht – unbequem sein, provozieren, zum Nachdenken bringen. Hätten alle Musiker_innen über ihre unglückliche Liebe, One Night Stands oder das Abdancen im Nachtclub gesungen, wäre die Welt dadurch besser? Darüber läßt es sich streiten, aber eins steht fest – gesellschaftliche Probleme totzuschweigen, bringt auch nichts.


osTraum auf Facebook


Das Review auf Tschechisch hier zum Download/České review tady: Reznik_Review_CZ
Ein besonderes Dankeschön an Nikita Mikhaylov.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s