No Future? „Ich heiße Arlekino“- Ende 1980er in Weißrussland

In einem Vorort, wo nur Fernverkehrszüge kurz halten und wieder weiterfahren, lebt Arlekino – ein junger Mann, ein sowjetischer Bürger. Ähnlich wie andere Jungs aus seiner Clique macht er eine Berufsausbildung, sein Geld verdient er als Aushilfe in einem Lagerhaus. In der Freizeit fährt Arlekino zusammen mit seinen Freunden in die Stadt. In ihrem Vorort gibt es nicht viel zu suchen – ein Kaff. Bei den Ausflügen in die Stadt geht „вагонка“* (wagonka) – so nannten sich Arlekino und seine Jungs – anders aussehenden Jugendlichen auf den Sack. Einem Hippie schneiden sie das Haar ab, den Skatern nehmen sie die Skateboards weg. Ehrlich und direkt, ohne Connections und ohne Zukunft – so sehen sich die Hauptcharaktere.

Aus diesem Grund hassen die „Wagonka“-Jungs die Alternativen und die Bonzen. Diese sind schlecht, weil sie anders sind, Geld haben und von besseren Lebenschancen träumen können. Wenn wir sie nicht schlagen, dann schlagen sie uns. Die „Wagonka“-Clique kämpft hart um ihre Existenz in der Welt, die ihr nichts zu bieten hat.

Der charismatische Anführer der Clique Arlekino (Oleg Fomin) erscheint allerdings nur auf den ersten Blick als „harter Typ“. Verliebt in Lena, muss er sich mit der Lebensrealität konfrontieren: Begehrt wird derjenige, der auch was im Geldbeutel hat. Andrej (Arlekino) ist allerdings pleite und kann nur seine Liebe anbieten.

„Ich heiße Arlekino“ wurde von Walerij Rybarjew in Grodno, Weißrussland gedreht und kam 1987 auf Leinwand. Ähnlich wie in den anderen sowjetischen Filmen über die Jugendlichen dieser Zeit werden hier starke Gegensätze vermittelt: Es geht um Arme und Reiche, Gutes und Böses, Wahrheit und Lüge. Diese Reduzierung auf grundlegende Ideen macht das Sujet des Films zwar sofort vorhersehbar, verleiht ihm aber auch gleichzeitig den besonderen Charme der Übergangszeit – der Perestroika. „Was wollt ihr denn?“ – fragt Arlekino den Hippie-Burschen. „Ich weiß es nicht, aber diese Schweinerei hier kann ich nicht akzeptieren“, so antwortet der Junge. Ob er das auch heute noch antworten würde?


*Aus dem Rus.: Wandplatte aus Holz, die häufig als Verschalungsmaterial für Waggons verwendet wurde/wird.

Bildquelle (Titelbild): „Меня зовут Арлекино“ © Беларусьфильм/TOX

 

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