Polnische Dresiarze – Anzugträger einer anderen Art

Dres ist ein Anzug auf Polnisch, doch nicht der mit einer Krawatte, sondern der Sportanzug. Nach dem Zerfall des Ostblocks wurde der polnische Markt von chinesischen Sportanzügen überflutet. Diese günstige und praktische Polyester-Kleidung wurde in den 1990-er Jahren schnell zu einem Alltagsattribut von jungen polnischen Männern, die vorwiegend aus einfachen Verhältnissen der urbanen Plattenbausiedlungen kamen.

Die Bezeichnung für Sportanzüge wurde zur Bezeichnung der Subkultur. Die Dresiarze (ausgespr. /Dres’arzhe/) selbst verstehen sich aber nicht als eine Subkultur. Wie erkennt man aber Dresiarze auf der Straße? Abgesehen von den Sportanzügen ist unter ihnen Gold- oder Silberschmuck als Statussymbol beliebt. Meistens sind es dicke Halsketten mit christlichen Kreuzen und Ringe. Vulgarismen gehören zu ihrem normalen Sprachgebrauch und auch was Musik angeht, haben sie oft einen besonderen Geschmack. In den frühen 90-ern waren es Disco und Disco Polo (polnische Version von Euro Disco). Heute sind es eher polnischer Rap und populäre Club-Musik:

Das soziale Verhalten von Dresiarze ist eine Fusion aus sozialistischen und kapitalistischen Werten. Die Zugehörigkeit zu der Arbeiter- oder Mittelklasse hat zwar einen großen Stellenwert, für die Erfüllung eigener egoistischer Ziele aber werden oft die Gesetze gebrochen. So ist es für Dresiarze üblich ihre Aggression und Wut an Unbekannten auszulassen und dabei ans schnelle Geld zu kommen.

Von den Grundzügen her klingt die Bewegung fast identisch mit den russischen/ukrainischen/weißrussischen Gopniki, doch es gibt einige Unterschiede. Alte Menschen anzugreifen ist für sie ein absolutes No-Go. Tiere mögen sie auch, besonders Kampfhunde, die sie zu Hause halten. Im Gegensatz zu ihren ostslawischen Genossen treiben die Dresiarze auch oft Sport (vorwiegend im Fitnessstudio). Schlussendlich kann es unter Umständen dazu kommen, dass sie mit Skinheads oder Neo-Nazis verwechselt werden, von denen sie sich aber selbst „deutlich“ abgrenzen. Wo die Grenzen nun verlaufen, könnt ihr selbst entscheiden:

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Bildquelle (Titelbild): See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons (Link)

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