„Satanismus“ gegen Kommunismus und was Solidarność damit zu tun hat. Teil 2 von 3.

Nach den Revolutionsjahren 1989/90 erlebte das ganze Polen und damit auch seine Metalszene einen Umbruch in der Entwicklung. Musiker gründeten Bands in allen möglichen Richtungen und nun natürlich in allen Städten, denn die Zensur war nicht mehr da. 1990 entstanden Christ Agony (Black Metal aus Morąg) und Hate (Death Metal aus Warschau) sowie Lost Soul (Technical Death Metal aus Wrocław). Ein Jahr später folgten Behemoth (Black/Death Metal aus Gdańsk) und Damnation (Death Metal aus Sopot). Mindestens die Hälfte von diesen Bands haben heute eine große Bedeutung für die Szene und sind sogar Lieblingsbands vieler Metalfans weltweit (vor allem Hate oder Behemoth).

Hate_band_001
die Musiker von Hate

Abgesehen von der Black/Death-Sparte waren Polen auch in anderen Metal- oder Core-Richtungen produktiv. Erwähnenswert sind auf jeden Fall:

  • Dead Infection – Goregrind aus Białystok

  • Tenebris – Progressive/Death-Metal aus Łódź

  • Epitome – Grindcore aus Rzeszów

  • Frontside – Metal-/Deathcore aus Sosnowiec

Aus dieser Geografie wird klar, dass der Wille zur Veränderung unter polnischen Bürgern in dieser Umbruchszeit sehr groß und überregional war, aber sehr lange unterdrückt wurde. Am Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre musste sich Polen mit der Metal-Überschwemmung konfrontieren, was die (religiös-)konservative Öffentlichkeit nicht immer in Kauf nehmen wollte (dies ist teilweise auch noch heutzutage der Fall).

Hier ist das provokante Video „The Satanist“ von Behemoth. Die Entscheidung, ob da Grenzen überschritten werden, bleibt bei dem Zuschauer:

Wenn schon allein die Namen der Bands biblische Bezüge (z.B. Behemoth und Christ Agony) haben, so gehen ihre Lyrics und Shows viel härter und kontroverser zur Sache und üben unzensiert und manchmal brutal Kritik an der katholischen Kirche aus. In Vergangenheit ließ es sich die Kirche, zu der sich immerhin offiziell 87% der Bevölkerung bekennen, weniger gefallen. So musste Christ Agony kurzzeitig ihren Namen ändern, um Schwierigkeiten und Verfolgungen aus dem Weg zu gehen. Dem Sänger der Band Behemoth drohten bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe für die Verletzung religiöser Gefühle, nach dem er bei Konzerten seiner Band die Bibel zerrissen hat. Er wurde freigesprochen. Die Skandale um die Band gingen bis zur EU-Kommission, welche die Musiker in Berufung auf künstlerische Freiheit in Schutz nahm.


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