Prag, Panzer, Jazz: die welt(un)bekannten Jazz-Rocker

Das Jahr 1968 – sowjetische Panzer rollen über den Altstädter Ring in Prag, um den Sozialismus gegen die verdorbenen Einflüsse des Westens zu verteidigen. Im gleichen Jahr gründet sich die Jazz Rock Band Blue Effect und erobert sofort den musikalischen Olymp der Tschechoslowakei. Ihr Song Slunečný hrob (‚ein sonniges Grab‘) bleibt auch nach seinem Erfolg des Jahres ’68 ein Hit und wird 1999 zum Soundtrack der Tragikomödie Pelíšky (‚Kuschelnester‘), in der die sozialistische Vergangenheit der Tschechoslowakei kritisch, aber auch mit Humor, aufgearbeitet wird. 2003 wird ein anderes Lied der Band Má hra (‚Mein Spiel‘, 1971) vom französischen Hip-Hop-Künstler One-T als Sample für seinen Chartbreaker The Magic Key verwendet.

Doch nicht alles lief bei Blue Effect so glatt ab. Der Name der Band kommt vom Begriff das blaue Büchlein. Das Büchlein bekamen die jungen tschechoslowakischen Männer, die ausgemustert wurden und keinen Wehrdienst leisten mussten. Bald nach ihren Erfolgen Ende der 1960-er/Anfang -70er Jahre, wurde die Band von der kommunistischen Partei zu einem Namenswechsel gezwungen, da der englische Name im Sozialismus unzulässig war. Die Band übersetzte ihren Namen einfach ins Tschechische – Modrý efekt. Nichtsdestotrotz, schaffte es die Band weiter und schaffte es auch, die Partei für Jazz einzustimmen. Seit dem Ende der 1960-er Jahre brachte die Band 12 Alben (unter anderem bei Sony Music) heraus, tourte unzählige Male durch ganz Mittel- und Osteuropa und wurde somit zum Pioneer des Ostblock-Jazz der Nachkriegszeit. Englische Lyrics durften sie dann doch benutzen und ihre Schallplatten erlangten auch im Westen eine große Nachfrage.

Mittlerweile gibt es den Blauen Effekt seit fast 50 Jahren und allein im Juli 2016 spielen sie 14 Konzerte. Wenn Du der Meinung bist „Blue Effect – Hä, noch nie davon gehört!“, dann hör Dir Má hra bei YouTube an und Du wirst staunen… Doch, das kenne ich!

Blue effect – Ma Hra


Bildquelle: Chmee 2 „Czech big beat music grup Blue Effect in rock club Divadlo pod Čarou“ https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Blueeffect4.jpg; Lizenz CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de , via Wikimedia Commons

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