7 georgische Filme, die Lust auf eine Georgien-Reise machen

Auch wenn Georgien kein Geheimtipp mehr für erfahrene Reisende ist, bleibt es für viele nach wie vor eine Terra incognita. Das kleine Land im Kaukasus beherbergt dennoch atemberaubende Landschaften, warmherzigste Menschen, herrliches Essen und erstklassigen Wein. Für alle, die auf der Suche nach Inspirationen für den Sommerurlaub sind, haben wir sieben georgische Filme ausgesucht, die das Land samt seiner reichen Traditionen auf beste Weise darstellen und wirklich Lust auf eine Georgien-Reise machen. Außerdem bietet unsere Auswahl eine kleine Einführung in die georgische Cinematographie an, von Sowjetzeiten bis heute.

7. Die Weinernte (russ. Листопад / Blätterfall) // Reg. Otar Ioseliani // 1966

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“Die Weinernte” ist der erste Spielfilm von Otar Ioseliani, der zu den wichtigsten georgischen Filmemachern gehört. Wir verfolgen den Alltag des Studienabsolventen Niko: er arbeitet in einem Weinkombinat und versucht trotz Missstände seiner Vorgesetzten und Kollegen seinen eigenen Prinzipien treu zu bleiben; wirbt die Schöne des Kombinats, die eigensinnige Marina, um; läuft durch die Stadt mit seinen vier Schwestern; trinkt Wein, streitet mit den Eltern… Durch das Beobachten seines Lebens erfährt man Einiges über die Bürokratie und Planwirtschaft im sowjetischen Georgien, aber auch über die Einsamkeit, Ehrlichkeit, Moralität und – natürlich! – das Weinmachen. Ein satirischer aber gleichzeitig poetischer Film, der auf ganz besondere Weise die laute Magie von Tiflis der 60er Jahren wiedergibt.

 

6. Das Gastmahl der Rose (russ. Не горюй! / Sei nicht traurig!) // Reg. Georgij Danelija // 1969

Не_горюй.jpgGeorgij Danelija hat zahlreiche Klassiker des sowjetischen Kinos gedreht, die nahezu in jedem Haushalt in den ehemaligen Sowjetrepubliken bekannt und beliebt sind und zudem eine unausschöpfbare Quelle für witzige Zitaten bieten. “Das Gastmahl der Rose” ist eine typische Danelija-Komödie: warm, geistvoll und ironisch. Im Mittelpunkt steht ein junger Landarzt (dargestellt von dem legendären georgischen Schauspieler und Sänger Wachtang Kikabidse), der nach dem Studienabschluss in St. Petersburg zurück in die Heimat kehrt und sich wieder an die alte Lebensweise anpassen muss. Gleich wird er in ein Liebes-Kuddelmuddel verwickelt. Nach guten georgischen Traditionen wird es durchgehend viel getrunken, gesungen und getanzt.

 

5. Mimino (russ. Мимино) // Reg. Georgij Danelija // 1977

Мимино_фильм.jpgEin weiterer Must-Watch-Werk von Danelija ist “Mimino”: ebenfalls ein humorvoller Film mit Kikabidse als Hauptdarsteller. Mimino (Georgisch für “Sperber”) ist der Beiname von Waliko, der als Pilot bei einer kleinen georgischen Fluglinie arbeitet und davon träumt, auf Fernflügen unterwegs zu sein. Eines Tages reist er nach Moskau, wo er den armenischen Fernfahrer Rubik kennenlernt – die beiden geraten zusammen in absurde Situationen, die sie allerdings erfolgreich überwinden. Der Film ist großzügig mit Liedern, Witzen und wunderschönen Aussichten der georgischen Gebirge gewürzt und kann wohl als eine Einführung in die georgische Mentalität dienen.

 

4. Baum der Wünsche (russ. Древо желания) // Reg. Tengis Abuladse // 1977

113142-the-wishing-tree-0-230-0-345-crop.jpg“Baum der Wünsche” zeigt ein kleines georgisches Dorf vor der Revolution um die Jahrhundertwende. Da herrschen alte Traditionen, die nicht immer den Glücksansprüchen einzelner Bewohner gerecht werden. So wird ein junges verliebtes Paar gegen seinen Willen gezwungen, sich an die gesellschaftlichen Forderungen und Erwartungen anzupassen. Somit entwickelt sich die tragische Geschichte über das menschliche Schicksal. Der Film wird von Kritikern dank seiner künstlerischer Kraft oft als Vorbild georgischer Cinematographie gepreist. Besonders reißend sind die tragikomischen Episoden aus dem gemütlichen ländlichen Alltag, die Abuladse mit Poetik und Humor zugleich präsentiert.

 

3. Alle sind gegangen (russ. Все ушли) // Reg. Georgij Paradschanow // 2013

648488.jpgDas Thema der Rückkehr und Nostalgie wird im Film “Alle sind gegangen” von Georgij Paradschanow verarbeitet: nach langer Abwesenheit kehrt ein Mensch in die Stadt seiner Kindheit zurück und taucht in Erinnerungen ein: so entsteht ein Mosaik aus Erinnerung an das Tiflis der 60er Jahren. Paradschanow beschreibt den Stil, den er im Film benutzt hat, als “magischer Realismus”: er ist ein Versuch, eine Realität zu rekonstruieren und abzubilden, die nicht mehr da ist. Dieser Werk ist ironisch und romantisch, traurig und lustig. Der rote Faden dabei ist eine große Liebe zu Georgien, der man nach der zweistündigen Vorführung nicht widerstehen kann.

 

2. Blind Dates (georg. Brma Paemnebi) // Reg. Levan Koguashvili // 2013

flyer_large.jpgEinen Blick in das Georgien von heute bietet der Film “Blind Dates” von Levan Koguashvili. Der 40-jährige Junggeselle Sandro arbeitet in der Schule und wohnt immer noch bei seinen Eltern, die ihm unzweideutig hindeuten, dass er baldmöglichst eine Frau finden sollte. Nach einigen unerfolgreichen Dates lernt Sandro nun übers Internet Manana kennen – dieses Treffen führt dann zu unerwarteten Abenteuern, die Sandro herausfordern, seine Komfortzone zu verlassen. “Blind Dates” ist eine tolle Tragikomödie über die Einsamkeit in der Stadt – und Tiflis ist hier als Kulisse den größeren und bekannteren Städten wie etwa New York, London oder Paris nicht unterlegen.

 

1. Meine glückliche Familie (georg. Chemi Bednieri Ojakhi) // Reg. Nana Ekvtimishvili, Simon Groß // 2017

images.jpeg“Meine glückliche Familie” zeigt das Zusammenleben von drei Generationen im modernen Tiflis. Manana, eine 52-jährige Lehrerin, verlässt ihre Familie auf der Suche nach Stille und stößt dabei auf Missverständnis seitens ihrer Verwandten, Nachbarn und Bekannten. Dieser Film wirft einen nicht immer positiven Blick auf die Traditionen des Landes, wo das Patriarchat einerseits und das Streben nach der Selbstbestimmung von Frauen andererseits öfters aufeinander treffen. Nichtsdestotrotz ist er vollgepackt mit reizenden Momenten und Details, die der Schönheit von Tiflis gerecht werden.


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Bildquelle aus der Titelgrafik © Zorro Filmverleih

One Comment

  1. Scherbensammlerin

    Großartige Filmkultur. Einige davon kenne ich sogar. Den Baum der Wünsche habe ich mal zu einem runden Geburtstag mit Freunden geschaut. Vielleicht hätte ich lieber Monimo ausgeliehen, wenn ich gewusst hätte, dass gleich in der ersten Szene ein Pferd stirbt und es so dramatisch und existentiell weitergeht.

    Gefällt 1 Person

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