Die 7-ex-Yugoslavia-Punk-Bands

Unter der offiziellen, also vom Staat genehmigten und befürworteten Musik, war Punk auf dem Gebiet des ganzen Ostblocks nicht wirklich zu finden. Doch trotzdem exisitierte die Bewegung und damit auch die Musik unter jungen Menschen. Inspiriert von The Stooges und Sex Pistols, trotzten die Jugendlichen ihrem Regime. Gründe hatten sie dafür genügend. Die Punk-Szene im damaligen Jugoslawien war dabei besonders aktiv im Vergleich z.B. zu den Genoss_innen in der Tschechoslowakei oder der Sowjetunion. Der Sozialismus war in Jugoslawien eben einer anderen Art. Das ist aber schon eine andere Geschichte…. Seit etwa Ende der 1970-er Jahre entstanden viele Bands, die bis heute existieren oder zumindest ab und zu Lebenszeichen von sich geben. Den jugoslawischen Punk in einem Artikel zu beschreiben, ist nahezu unmöglich, doch wir versuchen es trotzdem und hier ist die osTraum-7:

7. Paraf (Kroatien)
Zu den ältesten unter den Punks gehören Paraf aus Kroatien, die zwischen 1976 und 1986 aktiv waren. Ihr bekanntester Song heißt Javna kupatila (de.: Öffentliches Bad), in dem sie den sozialistischen Optimismus sarkastisch beschreiben: „Glückliche Menschen. Pferde warten auf euch. Eure Träume warten auf euch. Treibt Sport!“ Nach drei Alben trennten sich die Musiker_innen, doch haben später noch mehrmals den Weg zueinander gefunden – für ein Konzert oder für ein Festival. Zuletzt 2008 für die Neuauflage ihres Albums Riječki Novi Val.

6. Pankrti (Slowenien)
Ungefähr zu der gleichen Zeit entstanden in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana Pankrti (de.: Die Bastarde). Die Pankrti wurden auch außerhalb des Jugoslawiens und des Ostblocks als eine der ersten Punk-Bands aus einem kommunistischen Land bekannt. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs traten sie sogar mit den Sex Pistols auf, was wohl der Höhepunkt ihrer Karriere war. Nach einer langen Pause vereinigte sich die Band in den späten 2000-ern wieder. In der Heimat werden sie als Legenden gefeiert, doch musikalisch und emotional ist bei den Live-Aufnahmen doch zu merken, dass die 1970-er vorbei und die Jungs nicht mehr so jung sind.

5. Odpadki Civilizacije (Slowenien)
Ebenfalls aus Ljubljana kam eine der ersten südslawischen Hardcore Punk Bands – Odpadki Civilizacije (de.: Abfälle der Zivilisation). Die war nur wenige Jahre aktiv, vor allem in der Mitte der 1980-er Jahre, doch der rohe Sound könnte zu der Zeit auch mit westlichen Kolleg_innen mithalten. Wie einige andere ex-Yugo-Punk-Bands haben die Rebellen in den 2000-ern und 2010-er Jahren einige Versuche unternommen, die Band wieder zu beleben. Ein Zeugnis dessen sind einige Aufnahmen auf verschiedenen Splits und Compilations. Eine ganze Scheibe wurde daraus erst mal nicht.

4. Pekinška Patka (Serbien)
Wer seinem Sound auch im 21. Jahrhundert treu geblieben ist, sind Pekinška Patka (de.: Die Pekingente) aus dem serbischen Novi Sad. Gegründet in der zweiten Hälfte der 1970-er Jahre, gewann die Band schnell die Herzen der jungen Serben für sich, denn ihre Musik war offensiver und (Ja!) britischer als bei vielen ihrer Zeitgenossen. Nichtsdestotrotz haben sie es auf das internationale Niveau nicht geschafft, sind aber in Novi Sad bis heute eine lebendige Legende.

3.2. Defektno Efektni (Serbien)
Nur zwei Jahre (1980-1982) waren die Punks von Defektno Efektni als eine Formation aktiv. Die Serben aus Belgrad lieferten eine Mischung aus Punk und New Wave. Je nach Aufnahme klangen die gleichen Lieder wie Punk oder doch wie New Wave (s. unten). Herausgegeben wurden die Musiker auf dem größten jugoslawischen Label für Pop und Rock – Jugoton. Jugoton wurde 1947 in der kroatischen Hauptstadt Zagreb gegründet und blieb auch nach dem Sozialismus unter dem Namen Croatia Records erhalten. Heute ist es das größte Musik-Label in Kroatien. Die Geschichte von Defektno Efektni ging zwar nicht so lang, doch aus ihr sind einige andere Punkprojekte entstanden.

3.1. Berliner Strasse (Serbien)
Urbana Gerila wurde auf den Ruinen von Defektno Efektni gebaut und auch bald umbennant…in die Berliner Strasse. Zu ihren Vorbildern zählten Bauhaus und Joy Division. Neben dem britischen Post Punk wurde die Berliner Strasse sehr stark von der deutschen Gothic Rock-Szene beeinflusst. Daher kommt auch der Name der Band. Auch die Lyrics waren am Anfang auf Deutsch, doch später wechselten die Querdenker doch zu Serbisch. Auch musikalisch blieb vom Punk fast nichts übrig.

2. KUD Idijoti (Kroatien)
KUD Idijoti – ausgeschrieben und im deutschen Wortlaut heißt die Band Kultur- und Kunstgesellschaft Idioten. Was der Name verspricht, hält auch die Musik – eine etwas lustigere Version des Punks. Dahinter verbirgt sich aber auch ein politisches Statement. KUD Idijoti, wie auch Pankrti, zählen sich zu dem linken bzw. antifaschistischen Flügel des kroatischen Punks. Die politische Ausrichtung ist an dieser Stelle wichtig, weil es auch in Jugoslawien eine Welle des Nazi Punks gab. Die Band war zwischen 1981 und 2011 durchgehend aktiv.

1. Tožibabe (Slowenien)
Die Slowenen…sie waren in den 1980-ern, was den Punk angeht, sehr produktiv. Auch slowenische Punk Girls schlossen sich zusammen. Eine dieser Bands sind Tožibabe. Im Gegensatz zu vielen ihrer männlichen Kollegen sind sie bis heute aktiv. Ein Album und eine Split-Veröffentlichung  – viel mehr war da nicht. Doch mit ihrer ersten Platte aus dem Jahr 1986 setzten die Sloweninnen ein Zeichen für die Frauen in der weltweiten Punkszene, die trotz der Systemkritik und dem Streben nach Unabhängigkeit bis heute von Männern dominiert wird. Das Album   gibt es auch heute remastered zu kaufen.


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Foto im Titelvisual aus Wikimedia

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