Alleine in der Stadt: ŠVENTASIS

Litauische Provinz. Langeweile. Arbeitslosigkeit. Grauer Alltag. In „Šventasis“ (engl. „The Saint“) erzählt der Regisseur Andrius Blazevicius die Geschichte von Vytas, dem entlassenen Mechaniker, Ehemann und Vater. Die Tage nach der Kündigung vergehen bei Vytas nicht sonderlich abwechslungsreich. Fernsehen, mit einem Kumpel Bier trinken, schlafen, trainieren. Die Arbeitssuche verläuft erfolglos, was aber Vytas anscheinend nicht besonders traurig macht. Nach einer oberflächlichen Einführung im Jobcenter-Seminar für Arbeitssuchende kauft sich der kräftig gebaute Bursche einen teuren Anzug, lässt sich die Haare nach dem letzten Trend schneiden und fängt an, der jungen Friseusen aus Vilnius den Hof zu machen. Alle Versuche seiner Frau, ihn für irgendwelchen Job zu motivieren, lehnt er hartnäckig ab. Nur zwei Sachen interessieren ihn noch: die Friseurin Marija und die Suche nach einem Mann aus der Nachbarschaft, der in seinem YouTube-Video über die Erscheinung von Jesus Christus in der Stadt erzählt.

Die Figur von Vytas ist eine Art Porträt seiner Generation. In seinen 20ern hat er neun Jahre lang in demselben Unternehmen gearbeitet und hat sich die Frage nach „was ist, wenn…“ nie gestellt. Aufgewacht in einer Welt, wo von einem Mechaniker auch soziale Kompetenzen und Hobbies gefragt werden, findet er sich nicht mehr zurecht. Seine Freunde wandern nach Norwegen und UK aus, seine Heimatstadt bietet keine guten Perspektiven an. Die Auswanderung und Arbeitslosigkeit werden vom Regisseuren Andrius Blazevicius ganz groß auf die Fahne geschrieben. Hier sehen wir die Parallelen mit einem anderen baltischen Staat – Lettland, wo die ähnliche Stimmung zum Beispiel in „Cilveki tur/Lyudi tam“ ganz deutlich zu sehen ist.

Weitere Infos zu dem Film und aktuellen Screenings: https://www.facebook.com/THESAINTFILM/


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Bildquelle (Titelbild): © Šventasis / M-Films / No Sugar Films via IMDb

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