Die Zeitmaschine neu erfunden oder Zurück ins Mittelalter

Habt ihr euch schon mal die Frage gestellt, womit sich Wissenschaftler_innen der experimentellen Geschichte beschäftigen? Wenn ihr noch nichts von dieser Wissenschaft gehört habt, ist es nicht schlimm. Denn sie existiert nicht. Experimentelle Geschichte ist eine Disziplin aus dem Science-Fiction Roman der Gebrüder Arkadi und Boris Strugazki Трудно быть Богом(1964, dt.: Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein).

Die Hauptfigur des Romans – Anton – ist ein Forscher und wird nach Arkanar geschickt. Dieses Land befindet sich auf einem fernen Planeten, wo das Mittelalter herrscht. Angekommen in Arkanar gibt sich Anton für einen Adeligen aus und trägt den Namen Rumata Estorski. Seine Aufgabe ist es, den Lauf der Geschichte unmittelbar auf seinem Leib zu erfahren und die Entwicklung dieser Zivilisation vorsichtig zu beeinflussen. Die Einwohner Arkanars sollen grundsätzlich weiterhin selbstständig bleiben. Nur ab und zu darf Anton aka. Rumata den Fortschritt durch solch eine Kleinigkeit wie zum Beispiel die Verwendung eines Taschentuchs bei einem Empfang (was zu dieser Zeit noch nicht erfunden wurde) vorantreiben.

Anton lebt sich ziemlich schnell in seine neue Rolle ein. Er fühlt sich dem Volk auf Arkanar verbunden und glaubt, für sein Schicksal Verantwortung zu tragen. Ein guter Fechter, adlig und reich, wird Anton zu einem Star auf dem fremden Planeten. Dies alles wird ihm letztendlich zum Verhängnis. Denn seine Goldmünzen sind aus sehr reinem Gold, welches in Arkanar noch nicht im Umlauf ist. Seine ausgedachte Lebensgeschichte wird von angeblichen Bekannten des tatsächlichen Herrn Estroski verworfen. So kommt er ins Visier der Geheimdienste von Arkanar. Jedoch will Anton nicht raus – die Grenzen zwischen seinem Leben auf der Erde, seinem Auftrag und seinem Hier-und-Jetzt in Arkanar verschwinden.

Eine spannende Geschichte, die selbst nach über 50 Jahren nicht an Aktualität verliert, denn es werden auch heute Wissenschaftler_innen und Künstler_innen verfolgt. Der Science-Fiction-Roman ist aber auch nah an der Realität. So ähnelt der Name des Universalgelehrten Doktor Budach, eines Wissenschaftlers, welchen Rumata aus dem Gefängnis rettet, dem nicht unbekannten Buddha. Ist es ein Zufall? Kann es sein, dass die Geheimdienste in Arkanar eine Anspielung an Repressionen unter Stalin sind? Diese Fragen lassen wir lieber offen. Jedoch ist es einem Wunder gleichzustellen, dass solche Ideen in der Sowjetunion geäußert werden durften. Die Brüder Strugazki blieben stets tapfere Kämpfer gegen die Zensur und schafften es, mit literarischen Mitteln ihre Ideen so unterzubringen, dass sie dem Staat nicht immer auffielen.

Wer Lust auf den Roman bekommen hat, kann sich mit einer der mindestens vier deutschen Fassungen (1971, 1972, 1988 und 2012) vergnügen. Für die, die etwas weniger Zeit haben, ist vielleicht der Hinweis auf die Verfilmungen von „Трудно быть богом“ aus den Jahren 1990 und 2013 interessant. Die erste Version hat mit dem Roman aber wenig gemeinsam. Die sowjetisch-deutsch-französische Koproduktion erinnert eher an die drei Musketiere oder eine Liebesgeschichte vom Regal eines Zeitungskiosks. Dagegen ist die zweite Verfilmung (hier geht es zum Trailer), die vom russischen Regisseur Alexei German stammt, ein ernstes Werk in schwarz-weiß und stellt die mittelalterliche Thematik ohne jegliche Romantik dar. Hier gibt es viel Dreck und Gewalt sowie jede Menge anderer Missstände, was höchstwahrscheinlich der mittelalterlichen Realität vollkommen entspricht.

Bildquelle: © Ленфильм

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