Ein Sommer in Budva: Meer, Strand, Zigarettenrauch

Text: Aleksej Tikhonov, Maria Gerasimova

Montenegro – schon der Name klingt nach Sonne, Süden und Meer. Er stammt aus dem Italienischen und bedeutet „Schwarzer Berg“ – eine treffende Bezeichnung, wenn man die dunklen Gebirgszüge sieht, die hier oft direkt bis ans azurblaue Wasser reichen. Im Montenegrinischen heißt das Land Crna Gora, und obwohl es flächen- wie bevölkerungsmäßig das kleinste Land der Balkanhalbinsel ist, steckt es voller Überraschungen.

Politisch blickt Montenegro auf eine bewegte Geschichte zurück: Noch 1992 blieb es nach dem Zerfall Jugoslawiens mit Serbien verbunden, erklärte aber erst 2006 seine komplette Unabhängigkeit. Ein Kuriosum: Bereits 1999 übernahm Montenegro die Deutsche Mark, später folgte automatisch der Euro – bis heute, ohne selbst Münzen oder Scheine prägen zu dürfen. Und auch in anderer Hinsicht ist das Land jung: Premierminister Milojko Spajić (Jahrgang 1987) und Staatspräsident Jakov Milatović (1986) gehören zu den jüngsten Führungsspitzen Europas.

Budva – ein Badeort, umgeben von der mittelalterlichen Stadtmauer

Doch genug Geschichte – schließlich geht es um Urlaub. Und dafür ist Montenegro bestens geeignet. Die Adria-Küste liegt eingebettet zwischen Kroatien und Albanien, mit Budva als unangefochtenem Zentrum des Strandurlaubs. Wer anreist, hat die Wahl: Über Dubrovnik in Kroatien (ca. 90 km entfernt), über die Hauptstadt Podgorica (65 km) oder am bequemsten über Tivat, nur 25 km von Budva entfernt. Von dort sind es mit Taxi oder Mietwagen je nach der Lage auf der Autobahn etwa 35 bis 90 Minuten bis zum Meer – die Bauarbeiten, die die Straße zurzeit von zwei auf vier Spuren erweitern, dauern offiziell noch bis 2026, doch Einheimische munkeln, dass es auch 2027 oder 2028 werden könnte. Wer flexibel sparen möchte, kann sogar bei der Taxifahrt vom Flughafen tricksen – indem man sich mit anderen Fahrgästen zusammenschließt, was bis zu 50 Euro weniger kosten kann. Die Organisation übernehmen die Taxifahrer selbst.

Trotz des überschaubaren Ausmaßes des Landes sollte man die Reise gut planen: Budva ist kein wirklicher Geheimtipp mehr, eventuell nur für Gäste aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Vielfalt der Autokennzeichen und der Sprachen an den Stränden gibt schnell zu verstehen: in Montenegro macht der ganze Südosten Europas Urlaub. Aber auch viele Tourist:innen aus Polen, Tschechien, dem Baltikum, Belarus, der Ukraine und ja… auch aus Russland entscheiden sich für das Land, nicht zuletzt wegen der visumfreien Einreise. Zwar bietet Budva unzählige Hotels, Hostels und Apartments (und noch mehr werden gebaut), doch in der Hochsaison sind die besten Unterkünfte oft Monate im Voraus ausgebucht.

Die charmante Altstadt von Budva mit engen Gassen, Kirchen, zahlreichen Cafés und dem Meeresblick

Die Stadtmauern von Budva können viele Geschichten erzählen. Die Stadt gehörte den Griechen, aber auch den Römern, wurde von serbischen Königen regiert und von Osmanen geplündert, war mal österreichisch, mal jugoslawisch. Infolge des großen Erdbebens im Jahr 1979 wurden die meisten Bauten der Stadt zerstört, auch die mittelalterliche Altstadt, die später jedoch originaltreu rekonstruiert wurde. Nach unterschiedlichen Angaben hat Budva zwischen 18.000 und 20.000 Einwohner:innen und ist somit die fünftgrößte Stadt Montenegros. Neben Montenegriner:innen sind die größten Bevölkerungsgruppen Serb:innen, Kroat:innen und Russ:innen. Trotz der offiziellen Zahlen scheint die Stadt während der Urlaubssaison deutlich mehr Einwohner:innen zu haben. Besonders tagsüber am Strand oder abends auf der Promenade tummeln sich viele Tourist:innen.

Budvas Strände: Von Malerischen Buchten hin zur Partymeile

Wer auf der Suche nach einem montenegrinischen Badeort für seinen ersten Urlaub in der Region ist, kann mit gutem Gewissen nach Budva fahren. Neben dem großen gastronomischen Angebot, das wir noch weiter in diesem Beitrag kurz beleuchten werden, gibt es hier viele Strände. Die Stadt selbst verfügt über vier: Mogren Plaža, Plaža Ričardova Glava, Plaža Pizana und Slovenska Plaža. Darüber hinaus befindet sich ein weiterer Strand (Hawaii) auf der Insel Sveti Nikola, die mit einer Fähre innerhalb von 15 Minuten erreicht werden kann. Etwas außerhalb der Stadt befinden sich Plaža Jaz und Bečići Plaža in dem kleinen Nachbarort Bečići.

Der Strand Mogren Plaža gehört zu den schönsten Stränden Budvas. Ein malerischer Weg entlang der Fesen führt zum Sandstrand.

Was die Strände von einander unterscheidet, sind vor allem drei Faktoren: der Badezugang, die Größe und die Entfernung vom Stadtzentrum und gastronomischem Angebot. Direkt in der Altstadt befinden sich Plaža Pizana und Plaža Ričardova Glava – die kleinen Strandabschnitte mit Kies und Sand. Während Plaža Pizana besonders von Einheimischen beliebt ist, empfängt die Plaža Ričardova Glava viele Tourist:innen, die direkt aus der Altstadt auf den Strand zuströmen.

Plaža Pizana ist besonders unter Einheimischen oder auch Tourist:innen aus den Nachbarländern wie Serbien beliebt. Die Umkleidekabinen sind jedoch gewöhnungsbedürftig.

Zu den Stränden Mogren I und Mogren II führt ein schmaler Weg entlang der Felsen. In der kleinen Bucht, umgeben von der Natur, hat man eine schöne Aussicht beim Schwimmen. Hier werden auch diverse Wassersportaktivitäten angeboten. Die Slovenska Plaža passt dagegen für diejenigen am besten, wer direkt vor oder nach dem Baden was essen oder trinken gehen will. Dieser Strandabschnitt liegt ganz zentral: Zahlreiche Cafés und Restaurants laden Gäste ein, direkt hier ihr Frühstück, Mittag- oder Abendessen zu genießen. Spätabends oder nachts ist es auch ein Standort für zahlreiche Strandpartys.

Slovenska Plaža ist ein schmaler Strandabschnitt mittendrin. Hier kann man nicht nur baden, sondern auch was essen, trinken, tanzen, Tischtennis spielen oder auch eine Bootsfahrt buchen.

Wer von dem Stadtgetümmel genug hat, hat die Wahl, auf die Insel Sveti Nikola zu flüchten. Die Insel bietet viele Sonnenliegen, türkis-blaues Wasser und sogar etwas Schatten im kleinen Innenhof des Insel-Restaurants. Neben dem breiten Strandabschnitt gibt es auch ein paar Ecken zum Zurückziehen neben den Felsen. Am besten ist es jedoch direkt mit der ersten Fähre zu fahren, da hat man die Insel für ein paar Augenblicke für sich alleine. Gegen 11 Uhr ist die Insel bereits sehr voll.

Die Insel Sveti Nikola ist mit einer Fähre innerhalb von 15 Minuten zu erreichen. Achtung, hier sind die Kieselsteine besonders groß und fies.

An allen Stränden (außer der Plaža Pizana) können Liegen und Sonnenschirme gemietet werden. Leider lässt sich das Sauberkeitsniveau der Strände in der Hochsaison zu wünschen übrig – selbst auf den gebührenpflichtigen Abschnitten mit Sonnenliegen finden sich viele Zigarettenkippen und sonstiger Müll im Sand. Die Umkleidekabinen sind kaum vorhanden oder befinden sich meistens in schlechtem Zustand.

Restaurants und Cafés in Budva

Budva bietet kulinarisch fast alles – von Pizza bis Pljeskavica, von feiner Fischküche bis zum schnellen Börek/Borek. Preislich gilt, was man aus vielen Städten kennt: Je näher am touristischen Zentrum, desto teurer. Doch in Budva bedeutet „Zentrum“ (was die Preise betrifft) nicht die Hauptstraße Mediteranska, sondern die Uferpromenade mit Meerblick, Jachten und Stränden auf der einen, und einem schmalen Park auf der anderen Seite. Auch die Altstadt gilt in diesem Sinne als Zentrum – hier sind die Preise am höchsten, aber die Qualität stimmt dafür (meistens) auch.

Die Lokale an der Uferpromenade bewegen sich meist auch im mittleren bis höheren Preissegment. Auf den Speisekarten findet sich eine erstaunliche Gleichförmigkeit: Pizza, Pasta, Fisch, Fleisch, dazu Burger und ein paar Balkanspezialitäten. Kulinarische Höhenflüge darf man allerdings nicht überall erwarten – halbroher Pizzateig, verkochte Pasta in Sahnesauce oder verbrannte Burger sind keine Seltenheit. Wer auf Fisch oder Fleisch setzt, ist in Budva deutlich besser aufgehoben: beides bekommt man fast überall in guter bis sehr guter Qualität.

Abseits der Promenade, entlang der Mediteranska und vor allem jenseits des Jadranski put, wird es günstiger – ohne dass Geschmack oder Qualität darunter leiden. Empfehlenswert sind etwa: L&M mit einem unschlagbaren Mittagsmenü, nach dem meist extra gefragt werden muss, mit zwei bis drei Gängen inklusive Getränk für unter 15 Euro, das Adriatic mit hervorragenden Fischgerichten, sowie das Café Branka, das für günstige Desserts (1–3 Euro) bekannt ist – Schwangere essen hier sogar gratis. Vegetarier finden meist überall Salate, Pasta oder Pommes auf der Karte, für Veganer wird es schwieriger.

Ein Tipp: Haltet Ausschau nach Konobas – urigen Gasthäusern in Hinterhöfen, die regionale Küche zu fairen Preisen servieren. Nicht zu vergessen: die Bäckereien (Pekara). Dort gibt es fast immer Börek/Borek, wahlweise mit Fleisch oder Käse – ein großes Stück kostet rund 2,50 Euro, ein ganzer Familienbörek etwa 10 Euro und reicht locker für zwei bis drei Personen.

Bilder: © Maria Gerasimova für osTraum

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