Чужбина ТВ/Čužbina TV: der YouTube-Kanal für & über die russische Diaspora Berlins mit Igor Kolesnikov

русский оригинал интервью в самом конце немецкого материала

Laut dem Statistischen Bundesamt sprechen 5 % der Haushalte in Deutschland nicht nur Deutsch daheim, sondern auch Russisch. Das sind mit anderen Worten mehr als 2 Millionen Wohnungen und Häuser in Deutschland, in denen Russisch gesprochen wird, also etwa 4 Millionen Menschen. Genau diese Menschen wollte der Berliner YouTube-Kanal Čužbina TV (vom russischen чужбина: das fremde Land) ursprünglich erreichen. Die Zuschauer:innen sind allerdings nicht nur die russischsprachige Community innerhalb, sondern auch außerhalb Deutschlands. Der Macher und das Gesicht des Kanals, Igor Kolesnikov, lässt die Liebe seines Lebens – Moskau – nicht los. Er besucht oft die russische Hauptstadt, wo er viele Freund:innen, Kolleg:innen und Kontakte hat. So wird Čužbina auch in Russland geschaut. Igor lebt seit einigen Jahren in Berlin, aber es ist ihm gelungen, einen frischen und leicht distanzierten Blick eines Moskauers auf Berlin zu bewahren. Darüber berichtet der Ex-Russia Today- und -Ruptly-Mitarbeiter auf seinem YouTube-Kanal.

Die osTraum-Redaktion hat sich gefragt, wie Igor nach Berlin kam und beschloss, seinen eigenen Kanal zu gründen, wie er nach vielen Jahren Arbeit bei Russia Today einfach kündigte, was er über russischen Rap, die Berliner Mode, den ukrainischen Präsidenten Zelenskij und die Krim denkt.

OSTRAUM: In dem Interview mit dem Fernseh-/YouTube-Sender ostwest hast du darüber gesprochen, wie dein YouTube-Kanal entstanden ist. Freund:innen und einige Medien aus Russland haben dir viele Fragen über Berlin gestellt und du hast dich entschieden, einen Kanal darüber zu machen, damit alle es dort nachschauen können. Hattest du auch vorher die Idee, einen eigenen Kanal zu starten oder hast du nach einem Thema gesucht?

IGOR: In der Tat, nachdem ich gerade das vierte Jahr hier gelebt hatte, begann ich zu verstehen, dass die russischsprachige Community hier sehr vielschichtig ist und dass man, wenn man nicht in Berlin lebt, nur bedingt etwas davon versteht, wie diese Mechanismen funktionieren. Worüber machen sich die Menschen hier Gedanken? Welche Migrationswellen gab und gibt es? Wie leben Menschen hier? Du kannst hier als Expat leben, Avocadotoasts essen und Flat White trinken. Oder du kommst aus Kasachstan, bist Russlanddeutscher und Sozialhilfeempfänger. Es sind ganz unterschiedliche Entwürfe, aber das bedeutet nicht, dass jemand schlechter oder besser ist. Es gibt einfach ganz unterschiedliche Aspekte des Lebens in Berlin, und ich habe bemerkt, dass ich es alles für mich nicht entdecken werde, bis ich darüber selbst spreche.

Mich selbst hat es interessiert, wie komplex die russischsprachige Welt hier ist, wie divers, was für verschiedene Kreise und Aspekte sie beinhaltet. Ich wollte das alles wissen. Und das kann man nur herausfinden, wenn man sich in diesen Kreisen selbst bewegt. Ich beschloss, über sie zu sprechen und und Videos zu drehen. Jeden Tag entdecke ich etwas Neues für mich. Als ich hier drei Jahre verbracht habe, hatte ich keine Ahnung, wie solch eine Gesellschaft funktioniert und es war sehr interessant für mich. Jedes Mal finde ich etwas Neues, von Transgender-Menschen bis zu Arbeitslosen, oder Menschen, die am 9. Mai Blumen am Denkmal des sowjetischen Soldaten niederlegen – das sind ganz unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Hintergründen, und das hat mich interessiert. Aus diesem Grund habe ich „Tschuzhbina“ gegründet. Meine Freunde haben mir schon lange gesagt, dass ich das Video als Format liebe, dass ich ständig etwas in Stories erzähle, warum sollte ich also nicht einen eigenen seriösen Kanal starten?

OSTRAUM: Jetzt hast du 15 Millionen Abonnent:innen…

IGOR: Na ja, nein!

OSTRAUM: Ach ja, entschuldige, 15 Tausend. Ich wünsche dir aber natürlich die 15 Millionen!

IGOR: Danke, dann werde ich wie Kim Kardashian sein.

OSTRAUM: Hast du dir die 15.000 in nur einem Jahr erarbeitet?

IGOR: Ja, so ähnlich. Ich weiß nicht. Wir haben den Kanal meiner Meinung nach Mitte Dezember 2020 ins Leben gerufen. Ich habe es erst unregelmäßig gemacht, dann bin ich nach Moskau gefahren. Es kann sein, dass ich es mir natürlich erhofft habe, dass es schneller geht. Ich sehe, dass sie durch irgendwelche WhatsApp-Gruppen gejagt werden. Menschen schicken sich einander meine Videos. Vielleicht ist mein Zielpublikum zu klein. Vielleicht ist es für jemanden in Moskau cool oder jemand lacht über die Videos in Russland. Ich weiß es nicht, aber ich will mehr, ich will Geld! 🙂

OSTRAUM: Wie sind deine Besucher:innen-Statistiken so? Woher kommen die Menschen? Wie alt sind sie?

IGOR: Das ist sehr unterschiedlich, aber die kommen eher aus Deutschland, wenn man sich die Abonnenten anschaut. Aber es kommt auf das Video an. Ich dachte zum Beispiel, als ich gerade das erste Video geteilt habe, dass ich Content für junge Menschen machen möchte und dann schaue ich mir die Statistiken des Videos an, und dort liegt das Durchschnittsalter der Zuschauer bei 55-61. Auf der anderen Seite sind sie auch Menschen, sie sind auch interessiert, einige Themen waren wichtig für sie und ich denke, die Generation, die in den 1990er Jahren ausgewandert ist, sieht sich wahrscheinlich diese Videos an.

OSTRAUM: Was sind deine erfolgreischsten Videos und warum?

IGOR: Nun, es gab bei mir ein Transgender-Video. Es war sehr skandalös. Es hatte viele Views. Sehr beliebt ist auch, obgleich es nicht gerade verwunderlich ist, das Video über den Balalaika-Spieler aus Marzahn. Seit dem 9. Mai-Video bin ich einfach in irgendeinen YouTube-Algorithmus reingeraten und Čužbina wurde zu so einem Spiegel, in dem sich die Zuschauer oft sehen. Sie schreiben mir über das 9. Mai-Video, dass ich entweder eine Art staatliche Förderung aus Russland bekomme, um die Russen in Deutschland zu diskreditieren, oder sie schreiben mir, ich sei eine Kreml-Matratze. Das sind völlig unterschiedliche, polarisierende Arten von Kommentaren. Mir wurde vorgeworfen, ich mache eine Art „Vatnik“-Propaganda[1] oder ich weiß nicht mehr, was für ein Wort sie verwendet haben.

OSTRAUM: Vielleicht hast du den Menschen provokante Fragen gestellt? Oder du hast von Anfang an nach einem bestimmten Protagonist:innentyp für dein Sujet gesucht?

IGOR: Nein, ich habe einfach Menschen gefilmt. Trotz der Tatsache, dass ich mit Menschen gesprochen habe, gab es am 9. Mai von meiner Seite aus keine Glückwünsche oder Gratulationen oder so etwas. Also, ich habe keine Partei ergriffen. Natürlich habe ich auch heute eine persönliche Einstellung zu dem Tag, aber wir müssen unsere Videos so objektiv wie möglich gestalten. Wir haben keine politische Linie. Ich möchte nur sagen, dass ich von allen Menschen in den Kommentaren negatives Feedback bekommen habe – von denen, die an diesem Tag feiern, und denen, die nicht feiern. Das war einfach schrecklich! Sie haben mir entweder geschrieben, dass ich ein paar betrunkene Tiere im Video zeige oder ich es absichtlich zeige, damit Russen aus Deutschland ausgewiesen werden.

OSTRAUM: Wie reagierst du auf solche Hass-Kommentare?

IGOR: Hass? Nun, ich lese es. Ich bin natürlich schon ein erwachsener Junge, egal, wie sehr es mir wehtut. Es ärgert mich wahrscheinlich, wenn die Menschen immer das Gleiche schreiben. Wenn es überhaupt nichts mit dem Video zu tun hat. Ich bin ihnen zu manieriert oder ich trage aus ihrer Sicht ein schreckliches Hemd oder wie kann ich mich überhaupt so kleiden? Schau, er hat eine rosa Handyhülle! Unter jedem Video – unter ernsten und unter weniger ernsten Videos. Es tut mir eigentlich nicht weh, aber auf der anderen Seite denke ich mir: Verdammt, was macht es für einen Unterschied, was für ein Handy oder welche Hülle ich habe?! So ist aber das Publikum wahrscheinlich … Vielleicht habe ich ein falsches Publikum angelockt und ich hatte fälschlicher Weise die Vorstellung, dass das Publikum mir schreiben würde: Wow! Wie spannend! So was kommt auch manchmal vor.

OSTRAUM: Aber was hast du erwartet? Ist nicht der Name deines Kanals eine Provokation? Schließlich ist Čužbina ein sehr starkes Wort. Das „fremde Land“ bedeutet, dass ein Mensch mit dem Ort seines ständigen Aufenthaltsorts in Konflikt steht und gleichzeitig positive und nostalgische Gefühle für einen anderen Ort empfindet, an dem er aus bestimmten Gründen nicht sein kann.

IGOR: Aus irgendeinem Grund sind alle von diesem Wort sehr beleidigt. Ich weiß nicht warum.

OSTRAUM: Weil es für viele vielleicht das Gegenteil ihrer Realität und Wahrnehmung ist? Was mich betrifft, ich lebe seit 18 Jahren in Deutschland, mehr als die Hälfte meines Lebens. Das ist mein Zuhause. Und was ist Russland für mich? Mein Geburtsort vielleicht? Das Land meiner Kindheit? Hier in Deutschland habe ich schon Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen können. Meine Familie ist hier. Mein Leben findet hier statt. Russland ist für mich eher ein fremdes Land und nicht Deutschland.

IGOR: Ja, irgendwie schon. Aus irgendeinem Grund sind vor allem diejenigen, die hier leben, schockiert oder hinterfragen diesen Namen. Bei allen Interviews, die ich hatte, wird es gefragt. Ach, Gott! Warum ich so einen negativen Namen ausgewählt habe? Mir scheint der Name nicht negativ zu sein. Erstens, scheint es mir, dass wir in der Ära der Postmoderne und sogar der Post-Postmoderne leben, und in dem Namen liegt eine gewisse Ironie. Für mich selbst sehe ich darin eher etwas Ironisches. Gleichzeitig gibt es auch hier einige postsowjetische Codes. Im Allgemeinen, als ich mir Čužbina TV ausgedacht habe, wollte ich mir so eine Rolle zulegen, aber es hat noch nicht ganz geklappt. Ich wollte so einen Auslandskorrespondenten im Borat-Stil spielen, aber so aus den 1980ern. Der läuft halt rum und zeigt, wie es sich so in einem fremden Land lebt. Mittlerweile mache ich es einfach zu ernsthaft.

OSTRAUM: Für wen sind Berlin und Deutschland also ein fremdes Land? Auch du hast Moskau verlassen und lebst jetzt in Berlin. Du hast das Land, in dem du geboren und sozialisiert wurdest, in dem du lange gelebt hast, verlassen. Du hast also deine Heimat verlassen und bist in einem fremden Land. Das fremde Land ist also das Gegenteil zur Heimat.

IGOR: Auch hier schließe ich nicht aus, dass dies hier für mich ein fremdes Land ist, aber vergessen wir nicht die postmoderne Sicht auf alles im Allgemeinen. Das heißt, hier in Berlin ist das natürlich nicht meine Heimat. Hier spielt für mich generell die Migration als solche keine Rolle. Ich glaube nicht, dass der Umzug in ein anderes Land im 21. Jahrhundert meine Einstellung zu meinem Land verändert. Vielleicht existierte der Begriff Heimat für mich nicht und er begann für mich erst dann zu existieren, als ich hierher gezogen bin. Als ich angefangen habe das, was in Russland passiert, anders zu sehen. Manche Dinge, die mir dort offensichtlich erschienen, merkte ich, dass sie hier nicht selbstverständlich sind oder umgekehrt.

Das heißt, bei mir ist es umgekehrt. Ein fremdes Land … na ja … es ist mit Nostalgie verbunden. Obwohl ich ein Video mit dieser einen Frau habe, die sagt: „Was für ein fremdes Land? Es gibt Kefir, es gibt Milch, es gibt Brot!“ Ja, ich liebe das Video. Sie sagt: „Nun, warum ist es dann ein fremdes Land?“ und sie selbst antwortet darauf: „Es gibt hier doch alles!“. Ich denke, es ist alles eine Mischung aus Ironie, Ernsthaftigkeit und Nostalgie.

OSTRAUM: Aber das Wort bleibt negativ konnotiert.

IGOR: Ich finde, dass es nicht so negativ konnotiert ist. Die Welt ist jetzt so global geworden… also zumindest vor Corona war sie es. Jetzt ist es nicht mehr klar, ob sie das wirklich ist.

Im Grunde haben viele in Berlin lebende russischsprachige Menschen in den 1970er, 1980er oder 1990er Jahren Russland verlassen und haben hinter sich alle Brücken abgebrochen. Heute sind es aber im Prinzip zwei Stunden Flugzeit nach Moskau. Auch hier konnte man vor Corona sehr günstige Tickets kaufen und mal so am Wochenende nach Moskau fliegen. Es fällt mir schwer, das als Migration zu bezeichnen. Als meine Freunde und ihre Eltern in den 1970ern aus Moskau weggegangen sind, wussten sie überhaupt nicht, wann sie jemals wieder nach Russland kommen würden. Heute kann ich aber hin und her pendeln.

Das Einzige, was du gesagt hast, womit ich einverstanden bin, war der Gedanke, dass du schon so lange hier lebst und das natürlich kein fremdes Land für dich ist. Das ist wahr – ich möchte Čužbina auch in andere Länder bringen, außerhalb Deutschlands. Ihnen davon erzählen. Denn für dich ist es hier natürlich kein fremdes Land, Russland ist eher ein fremdes Land für dich.

Schlussendlich ist es für mich ein cooles Wort. Es ist so unverwechselbar. Es ist so eine Art Altrussisch. Es hat eine gewisse poetische Funktion – die russische Melancholie oder so ähnlich. Was etwas Russisches betrifft, was für mich wiederum in Russland etwas Unanständiges gewesen ist und an der Schwelle zu einer Art Nationalismus stand – darauf habe ich hier keine Allergie mehr. Hier habe ich verstanden, woher ich komme und was ich bin, denn in einem fremden Land geht es immer noch um die Suche nach meiner eigenen Identität.

Trotzdem behalten Menschen, auch wenn sie in einem fremden Land leben, eine Art Identität, und wo immer sie herkommen, suchen sie nach diesen Kreisen der Identität. Dann werden 9. Mai und auch deutsche Feiertage gefeiert, vielleicht noch etwas. Für manche ist der russische Laden wichtig, während für andere alles Russische, Russländische oder Postsowjetische abstoßend ist.

Bitte abonniert meinen Kanal und dann sprechen wir über all das und dann gibt es all das zu sehen.

OSTRAUM: Lass uns über deinen Telegram-Kanal „Fernsehsender STRAZ“ sprechen.

IGOR: Ja, super! Ich liebe es, wenn Menschen danach fragen.

OSTRAUM: Ist das wieder alles Ironie? Schließlich ist der Name selbst ein Hinweis auf den russisch-orthodoxen TV-Sender SPAS.

IGOR: Ja, es gibt diesen orthodoxen Kanal.

OSTRAUM: Und dein „Spasi i Sochrani“ T-Shirt (Errette und Erlöse)? Damit hast du auch jede Menge Fotos auf Instagram. Was stört dich an der Orthodoxie?

IGOR: Ach, das ist doch Gosha Rubchinsky! Wie auch bei Čužbina ist es natürlich ironisch gemeint – die Codes der russischen Kultur. Aber auch hier bedeutet dies nicht, dass es negativ konnotiert ist. Jemand hängt eine deutsche Fahne auf, jemand nimmt ein Kolovrat (Sonnenrad) oder geht in den Wald, um sich vor Svarog zu verbeugen. Es scheint mir, dass auch darin eine gewisse Ironie liegt, in dieser Suche nach dem eigenen Ich.

Warum sind Hieroglyphen auf einem T-Shirt cool? Das kyrillische Alphabet ist auch cool! Das finde ich cool, und beim Fernsehsender STRAZ. Es ist natürlich spaßig gemeint und spielt auf den orthodoxen Fernsehsender Spas an. Hier werde ich nicht versuchen, mich aus der Frage mit Witzen herauszureden. Ja, es ist wahr. Denn die Form, in der die russisch-orthodoxe Kirche heute existiert, ist in der Tat ziemlich amüsant. Deshalb ironisiere ich darüber.

OSTRAUM: Das heißt, Religion ist auch ein Thema für Čužbina?

IGOR: Eher nicht, das ist nicht mein Thema.

OSTRAUM: Nicht? Gerade eben hast du über die Orthodoxe Kirche gesprochen und die russischsprachigen Menschen in Berlin sind nicht nur orthodox. Es gibt Muslim:innen, Katholik:innen, Protestant:innen und Jüd:innen.

IGOR: Nein, es wäre interessant für mich, in einen geheimen Gottesdienst zu gehen, wo sich Gläubige noch wie die ersten Christen mit Kerzen hinter verschlossenen Türen trotz Lockdown und den Verboten verstecken müssen. Es wäre wahrscheinlich interessant für mich, wenn sie mich reinlassen würden, aber ich denke, dass mich dort niemand drehen lassen würde. Ich habe gehört, dass in beiden orthodoxen Kirchen, die es hier in Charlottenburg gibt, bzw. in einer dieser Kirchen, gab es so was im ersten Lockdown, ich sage aber natürlich nicht, welche das war. Dort versammelten sich wirklich Menschen, so wie im antiken Rom, mit erloschenem Licht zu den Messen im Dunkeln. Obwohl mir jemand gesagt hat, dass es in den Moscheen auch so was gab.

Ich habe irgendwie angefangen, oft über das Format meiner Videos nachzudenken. Alle, die hier leben, erkennen die Vielfalt der Religionen an, aber damit erzähle ich nichts Neues. Das Thema mit russischen Katholiken, Protestanten und Atheisten ist interessant, aber müsste genauer durchdacht werden.

OSTRAUM: Reden wir über den Lockdown. Du hast auf deinem Kanal etliche Videos zum Thema Lockdown, Corona-Tests, zu strikten Regeln in Deutschland u.s.w. Dieses Thema interessiert dich schon sehr und du zeigst es oft im negativen Licht. Etwa 11 von 55 Videos auf deinem Kanal haben einen oder mehrere COVID-Bezüge. Warum interessiert dich dieses Thema so sehr?

IGOR: Erstens, werden sie oft angeklickt. Es ist einfach so gekommen. Viele schreiben mich an und bieten mir etwas an – sich selbst oder ein Thema. Jetzt ist es so, doch am Anfang wusste ich nicht, wo ich anfangen sollte, wie ich die Helden finden sollte, und plötzlich sah ich etwas über den Querdenker-Marsch und hatte gerade frei. Also bin ich hingegangen.

Zum Anderen war dieses Thema damals in den deutschen Medien generell tabu. Russland hat auch seine eigene Agenda. In dem Sinne, dass jeder in Europa gehorsam ist, im Lockdown sitzen will, aber in Russland sind wir alle unbekümmert und kindisch. Niemand kannte in Russland diese Querdenker. Sie waren in den russischen Medien überhaupt nicht präsent, obwohl ich gesehen habe, dass Meduza über sie geschrieben hat. Also ging ich einfach hin, um mit ihnen zu reden.

Wie auch immer, es ist nur ein aktuelles Thema und es wäre seltsam, nicht darüber zu sprechen. Mir wird oft vorgeworfen, dass ich eine Art Corona-Skeptiker bin, aber ich leugne doch Corona nicht. Es scheint nur, dass es in Deutschland seltsame und unlogische Maßnahmen gab, die ich diskutieren wollte.

Vielleicht sollte in meinen sozialen Netzwerken tatsächlich von diesem Thema weichen. Bestimmte User abonnieren mich, die dann schreiben, dass Menschen durch Impfungen gechippt werden. Mit solchen Leuten möchte ich nicht reden. Jetzt ist Berlin sehr abrupt zum Leben erwacht, aber irgendwann war es wirklich allgegenwärtig und unsere Zukunft hing davon ab, aber elf Videos sind etwas zu viel, das stimmt. Bald werde ich noch über Marzahn ein Video drehen, das ist kein COVID-Thema.

OSTRAUM: Planst du weitere Städte und Länder zu zeigen, zum Beispiel Prag, Barcelona, ​​London?

IGOR: Im Idealfall ja. Kürzlich habe ich ein Video aus Warschau und München veröffentlicht.

OSTRAUM: Amüsante Videos hast du da! Du investierst ziemlich viel Zeit und Kraft in deine Sujets und allgemein Čužbina TV, aber wir haben keine Werbung auf deinem Kanal gefunden. Wovon lebst du also?

IGOR: Ich möchte endlich anfangen, mit Čužbina TV meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auf meinem Telegram-Kanal hatte ich schon paar mal Werbung, aber mein YouTube-Kanal ist noch nicht groß. Nichtsdestotrotz führen wir bereits Gespräche mit potentiellen Werbegebern. Hoffentlich gibt es bald Werbung bei uns.

OSTRAUM: Aber das beantwortet nicht die Frage, wovon du lebst?

IGOR: Schau mal, ich mache derzeit verschiedene Social Media Projekte und berate hauptsächlich Privatpersonen und Unternehmen in Russland im Bereich Entwicklungsstrategien für soziale Netzwerke.

OSTRAUM: Du schreibst auch journalistische Texte für Afisha Daily und einige andere Medien in Russland?

IGOR: Ja, es kommt vor, dass ich auch schreibe. In Russland kann man mit Texten jetzt wahrscheinlich Geld verdienen, wenn man einen bekannten Namen hat. Ich habe mit verschiedenen Medien gearbeitet und schreibe regelmäßig Texte, für Buro, Afisha, Batenka und Blueprint habe ich geschrieben, es ging meistens um Mode.

OSTRAUM: Aber du hast auch etwa 8 Jahre für Russia Today gearbeitet?

IGOR: Ja, für Lateinamerika. Ich war hauptsächlich im hispanischen Lateinamerika tätig. Hauptsächlich war ich für die Förderung der Marke und des Kanals zuständig, da ich Lateinamerika und Hispanoamerika studiert habe.

OSTRAUM: Was meinst du damit, dass du die Marke und den Kanal gefördert hast? Warst du dafür zuständig, dass Russia Today dort ins Kabelfernsehen aufgenommen wird?

IGOR: Wir hatten eine Art Verhandlungen geführt, damit mehr Menschen über Russia Today erfahren. Ich bin viel gereist, habe den Kanal gefördert und darüber mit Menschen geredet.

OSTRAUM: Du hast also PR für Russia Today gemacht?

IGOR: Ja, das beschreibt es eher.

OSTRAUM: Hast du damals vielleicht auch den russischen Rapper Kizaru getroffen und interviewt? Er lebt ja in Spanien. Oder ist seine Tätigkeit als Drogendealer für Russia Today problematisch?

IGOR: Oh, Kizaru würde ich sehr gern interviewen, aber habt ihr eine Verbindung zu ihm?

OSTRAUM: Nein, wir haben keinen Kontakt zu ihm. Hast du schon versucht ihn zu finden?

IGOR: Er hat in Spanien gearbeitet. Ich weiß, dass er in Barcelona lebt. Ich war in Barcelona und habe versucht, ihn zu kontaktieren. Es gibt da gewisse Leute, die mit ihm zusammen kiffen und anbauen. Ich habe solche Kontakte gefunden, aber Kizaru hat mir noch nicht geantwortet. Davon träume ich aber.

OSTRAUM: Träumst du davon, ihn für Russia Today oder für Čužbina zu interviewen?

IGOR: Nein, natürlich für Čužbina. Warum Russia Today? Ich habe keinen Kontakt mehr zu Russia Today, nein-nein-nein. Kizaru ist ja in Barcelona … Ich war erst vor ein paar Monaten in Barcelona und habe mit aller Kraft versucht, durch meine Schwester einen Kontakt zu einigen Leuten zu bekommen, die mit ihm dort kiffen, anbauen und einen Coffee Shop eröffnen möchten. Ich habe bereits allen geschrieben, so wirklich allen. Er versteckt sich dort meiner Meinung nach ja vor der russischen Polizei. Wenn ihr ihn kennt und er euch liest, muss er mich bitte kontaktieren. Er muss bei Čužbina sein.

OSTRAUM: Und nach deiner Arbeit für Russia Today Lateinamerika bist du sofort nach Berlin gezogen, um bei Ruptly, einer Tochter von Russia Today, zu arbeiten. Was hast du in Berlin gemacht? Auch PR?

IGOR: Nun ja, ich habe bei ihnen in Sales geholfen, Abonnements abgeschlossen. Eigentlich wollte ich für mich eine Veränderung und irgendwie mochte ich Berlin. Ich war zweimal in Berlin in den 2000ern und habe dann fünf sehr coole Tage hier verbracht, und weil es eine so coole Stadt ist und man es hier versuchen kann, habe ich ein Jobangebot bekommen und dachte, warum nicht. Ja, und dann habe ich mich irgendwie daran gewöhnt, bin hier geblieben und mal sehen, vielleicht werde ich eines Tages von hier weggehen. Werden wir sehen.

OSTRAUM: Das heißt, du hast in Spanien gelebt und dann wurde dir eine Stelle in Berlin angeboten?

IGOR: Ich habe nicht in Spanien gelebt. Ich habe lange Lateinamerika und Spanien studiert, aber die meiste Zeit meines Lebens in Moskau verbracht. Nach Berlin bin ich von Moskau gezogen. Viele Menschen denken, dass Berlin im Gegensatz zu Spanien langweilig ist, aber meiner Meinung nach ist Berlin überhaupt nicht langweilig. Es ist nicht langweilig im Vergleich zu spanischsprachigen Ländern, Berlin ist langweilig im Vergleich zu Moskau, denn Moskau ist wirklich eine Stadt in der Größenordnung von New York, Hong Kong, London, und das vermisse ich hier natürlich immer noch, weil ich selbst aus Moskau komme und natürlich vermisse ich die Größe der Stadt.

OSTRAUM: Möchtest du damit sagen, dass London als Stadt mehr Spaß macht als Berlin?

IGOR: Nun, London wahrscheinlich doch nicht. Ich war lange nicht mehr dort. Es gibt viele gute, coole Dinge in Berlin, ich liebe Berlin, nur manchmal fehlt mir natürlich etwas Dynamik in der Stadt.

OSTRAUM: Kennst du andere russischsprachige YouTuber:innen und Blogger:innen in Deutschland?

IGOR: Es gibt Mischa Bur. Das ist der Typ, der einfach Nachrichten für diejenigen übersetzt, die kein Deutsch können. Er macht einfach die Deutsche Welle auf und… na gut, er hat mehrmals über Čužbina gesprochen, also möchte ich nicht, dass er weiß, was ich über ihn zu sagen habe. Es gibt noch einen anderen Typen, der patriotischer ist – Golos Germanii (Die Stimme Deutschlands). Da ist auch so ein Typ, der Nachrichten übersetzt, aber mit viel mehr Covid-Skepsis. Der hat gerade ein paar meiner Videos geteilt. Mehr kenne ich nicht.

OSTRAUM: Was ist mit Ost Boys?

IGOR: Ja, es gibt die Ost Boys! Die Frage ist so ähnlich, als ob man in Russland fragen würde, ob man Dud‘ kennt? Ja, aber sie tun es für die Deutschen. Ost Boys sind natürlich cool. Ich habe ihnen 20 E-Mails geschrieben, noch nichts zurückbekommen. Oder ich habe auch an Slavik geschrieben, aber jemand hat mir gesagt, dass er 9.000 Euro für ein Interview verlangt. Vielleicht, ich weiß es nicht.

OSTRAUM: Ja, sie haben sich schon vor zwei Jahren getrennt. Jetzt gibt es getrennt Slavik und Wadik. Und auch in Deutschland gibt es erfolgreiche tschetschenische Blogger, z. B. Mois ist der wohl bekannteste.

IGOR: Oh, cool, ich möchte unbedingt das Thema der Tschetschenen bei mir machen.

OSTRAUM: Du interessierst dich sehr für Mode und Trends. Gibt es Mode in Berlin und Deutschland?

IGOR: In Berlin gibt es Mode, in Deutschland eher nicht, um es milde auszudrücken. Früher bin ich irgendwie mit Mode in Berührung gekommen und alle in der Modebranche sagen: „German fashion is a joke“. Naja, zumindest gibt es eine Berlin Fashion Week, aber die ist global nicht die Beste…

OSTRAUM: Sie ist nach Frankfurt gezogen, glaube ich.

IGOR: Das außerdem – sie ist nach Frankfurt gezogen. Früher gab es hier die Bread & Butter – eine Messe mit Street Fashion, aber sie ging meiner Meinung nach komplett bankrott. Letztendlich kann man Berlin natürlich nicht mit Paris, Mailand und New York vergleichen.

OSTRAUM: Aber was ist mit Karl Lagerfeld, Wolfgang Joop, Philipp Plein?

IGOR: Lagerfeld – Ja! Wir beide wissen, dass er deutsche Wurzeln hatte, aber jeder Amerikaner wird dir sagen, dass Lagerfeld ein Franzose gewesen ist und er war es auch. Philipp Plein ist eher so ein amüsanter Designer und über Philipp Plein habe ich übrigens eine sehr lustige Geschichte. Es geht darum, dass er so wahnsinnig reich ist und jeder in den Vereinigten Arabischen Emiraten Sachen von ihm kauft. Also kaufte er zwei Lamborghinis und fotografierte seine Sachen auf dem Hintergrund dieser Autos. Die Firma Lamborghini bat ihn, diese Fotos zu entfernen, um das Image von Lamborghini nicht zu gefährden. Es gibt auch Gerüchte, dass er Ecstasy mit seinem eigenem Namen vertreibt und man im Görli Pillen mit seinem Namen drauf kaufen kann.

OSTRAUM: Wir glauben, dass t.A.T.u. derzeit die ersten und bisher einzigen Musiker:innen aus Russland sind, die es geschafft haben, beim Publikum außerhalb der ehemaligen UdSSR wirklich populär zu werden. Was gefällt dir von moderner russischer Musik? Wer hat das Potenzial, die neuen t.A.T.u. zu werden?

IGOR: Mein Favorit sind Shortparis. IC3PEAK, so scheint es mir, sind musikalisch nicht so interessant, da sie einfach kompetent irgendeine Art von Agenda tragen, die gefragt ist und den Leuten mit westlichem Denken nahe steht, so etwas wie Pussy Riot. Dabei kann ich nicht sagen, dass es für mich irgendwie interessant wäre. Shortparis aber haben coole Videos, sie sehen sehr cool aus, sehr schön, aber gleichzeitig kann ich nicht wirklich sagen, dass ich sie mir ständig anhöre, aber ich gebe zu, dass sie cool sind und ich mit Ihnen hier in Berlin ein Mal rumgehangen bin, als sie hier gespielt haben. Molchat Doma (die Häuser schweigen) oder Molchat Doma (Zuhause schweigen) – sie sind, wie es mir scheint, tatsächlich von einer anderen Größenordnung im Vergleich zu denen, die ich genannt habe. Sie sind sehr populär auf Tiktok und meiner Meinung nach filmt die ganze Welt Tiktoks mit ihrem berühmtesten Lied auf Verse von Boris Ryžyj, sie haben auch auf Spotify rund 155 Millionen Wiedergaben.

OSTRAUM: Und was ist mit Little Big?

IGOR: Nun, Little Big. Weiß ich nicht. Sie sind irgendwie gefälscht. Alle vier Projekte wurden tatsächlich für den Westen konzipiert. Na gut, nein, bei Molchat Doma, so scheint es mir, war das ein glücklicher Zufall. Es scheint mir, dass, wenn wir in Russland oder in der Ukraine oder in Belarus schauen, dass Menschen dort eine ganz andere Musik hören. Wer hört schon in Russland IC3PEAK? Aber ihre Videos – ja, sie sind schon skandalös und cool.

OSTRAUM: Und schließlich unsere Blitz-Umfragen.

IGOR: Okay, los geht’s.

OSTRAUM: Rammstein?

IGOR: Brutalität.

OSTRAUM: Till Lindemann?

IGOR: Loboda [ukrainische Pop-Sängerin, die vorgab, mit Till Lindemann zusammen zu sein (Anm. d. Red.)].

Quelle: The Bobr Times

OSTRAUM: Andrej Petrow?

IGOR: Das ist eine Diva. Ja, er hat Klasse, er ist cool, das ist wahr. Aber, mir scheint es, dass Petrov ziemlich schädlich für die LGBT-Community sein könnte. Obwohl ich nicht genau weiß, was er gerade tut. Im Großen und Ganzen ist er aber ein komischer Typ.

OSTRAUM: Rap?

IGOR: Ja, auf jeden Fall! Natürlich!

OSTRAUM: Ist Husky ein Dichter?

IGOR: Husky ist ein großartiger Dichter und Husky ist im Allgemeinen das Coolste, was es in Russland gibt. Du liest und denkst – wow! Wie cool ist das! Husky ist einfach Love. Tatsächlich war ich einmal auf der Geburtstagsfeier eines Freundes, irgendwo auf dem Land um Moskau herum, und Husky unter den Gästen. Wir verbrachten einen Tag zusammen und spielten irgendwelche intellektuellen Spiele, und ich kann sagen, dass ich noch nie so einen enzyklopädisch profunden und gebildeten Menschen getroffen habe. Obwohl er noch recht jung ist. Ein Mann von solcher Tiefe und solchem ​​Wissen, solcher Aufmerksamkeit, Weltkultur, das heißt, er ist nicht nur ein Typ oder ein Rapper, der die Gabe hat, coole Worte zusammenzustellen, er ist auch ein großer Intellektueller.

OSTRAUM: Und FACE?

IGOR: Na ja, er ist eben kein Husky.

OSTRAUM: Was ist mit Deutschrap?

IGOR: Ja, ich mag es, aber ich muss nur sagen, dass sie an ihren Videos noch zu arbeiten haben. Sie sind alle irgendwie lächerlich. Spontan kommen mir nur so türkischstämmige Rapper in den Sinn. Eigentlich, ist es natürlich lächerlich, wenn sich irgendwelche Muttersöhnchen mit leichtem Übergewicht und Maschinengewehren als Gangster darstellen. Sie haben einer alten Frau eine Handtasche entrissen und das ist dann auch alles gewesen, dann sind sie Gangster. Rein melodisch, cool, aber russischer Rap liegt mir natürlich näher. Ich verstehe mehr und, naja, generell, wenn hier alles so steril ist… Rap ​​sollte authentisch sein. Husky hat kraftvolle Worte zu sagen, und sie hier haben eine solche Angst, etwas zu sagen, dass am Ende alles oberflächlich bleibt, soweit ich es mit meinem B1 verstehen kann.

OSTRAUM: Was denkst du über Zelenskyj?

IGOR: Eigentlich verfolge ich die ukrainschen Nachrichten nicht so sehr, aber ich denke, dass es mit ihm wahrscheinlich besser ist als vorher. Es scheint mir, dass Selenskyj im Prinzip wahrscheinlich ein guter Mensch ist. So ein guter Typ. Ich hoffe, wir werden uns alle versöhnen und eine bessere Beziehung haben.

OSTRAUM: Wem gehört die Krim?

IGOR: Jeder hat seine eigene Krim. So würde ich es sagen. Ich dachte mir schon, du würdest das fragen. Ich weiß nicht. Wenn wir Alisa [Yandex-Pendant zu Siri (Anm. d. Red.)] fragen, wem die Krim gehört, wird sie sagen: „Dir!“. Ich antworte dir das gleiche!

OSTRAUM: Ist das Leben in Moskau schön?

IGOR: Ja, natürlich!

OSTRAUM: Und in Russland?

IGOR: Etwas schwieriger. Ich will nicht platt klingen, aber Moskau ist eine Stadt… Es gibt zwar viele Probleme, aber Moskau ist eine Stadt von einem anderen Format. Moskau ist eine Stadt mit großem Erfolg, großen Chancen, aber gleichzeitig sind viele Menschen von diesen Möglichkeiten ausgeschlossen. Es ist eine andere Kultur, anders als Berlin. In Russland gibt es viele Probleme. Meinen sozialen Netzwerken nach kann der Eindruck entstehen, dass ich so ein Russophiler bin, dass ich Moskau und Russland besinge. Das stimmt in vielerlei Hinsicht. Ich liebe diese Stadt. Ich begann sie zu schätzen, als ich ging. Natürlich gibt es eine Million Probleme darin. Ich weiß, dass ich zurückkehren, einen Monat dort verbringen und anfangen werde, müde zu werden. Ich werde langsam sauer, aber im Allgemeinen ist Moskau cool.

OSTRAUM: Was ist dein Lieblingsort in Berlin?

IGOR: Tempelhofer Feld.

OSTRAUM: Was ist für dich der russischste Ort in Berlin?

IGOR: Für mich sind die Russen das Russischste in Berlin und die Karl-Marx-Allee, als ob ich in Minsk oder Moskau wäre.


Igor Kolesnikov auf Instagram
Čužbina TV auf YouTube
Igor Kolesnikov/STRAZ auf Telegram


osTraum bleibt werbe- & kostenfrei für alle!
Unterstütze osTraum auf >>>Patreon<<<

und bekomme unser offizielles Merchandise.


osTraum auf Instagram
osTraum auf Facebook
osTraum auf Telegram



Titelfoto © Igor Kolesnikov


[1] Vatnik – die umgangssprachliche Bezeichnung für Wattejacken bzw. Steppjacken. Die Art der Jacken wurde in der UdSSR hergestellt und war hauptsächlich für das Militärpersonal während des Zweiten Weltkriegs und für Personen bestimmt, die in Justizvollzugsanstalten inhaftiert waren. Aufgrund der wirtschaftlichen Probleme des Landes gehörten Steppjacken zur Alltagsgarderobe der Arbeiterklasse und der Landbevölkerung. Heute ist das Wort „Vatnik“ eine anstößige Bezeichnung für Menschen, die sozioökonomische Probleme in der Geschichte der UdSSR ignorieren und darauf bestehen, dass in der UdSSR alles besser gewesen ist. [Anm. d. Red.]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s